AL Bano und Romina Power
Nur auf der Bühne wieder ein Paar: Al Bano und Romina Power.

Sie liebten und sie hassten sich und feierten dabei grösste Erfolge. Jetzt touren Al Bano und Romina Power wieder – zum ersten Mal gemeinsam seit 16 Jahren.

Sie singen von der Liebe, tanzen, lachen – und als Zuschauer schwelgt man: Aah, wie schön! Wie rührend! Ein Paar, das sich wiedergefunden hat –  wie romantisch! Denn Albano Carrisi (72) und Romina Power (65) feierten in den 1980er-Jahren grösste Erfolge, beruflich wie privat. Bis heute kann nahezu jeder ab 25 ihren grössten Hit «Felicità» nachträllern.

«Wenn ich mit Romina singe, sind alle alten Gefühle noch da. So wie gestern. Magie.» – Albano Carrisi

Die beiden lernen sich kennen, als Romina und Albano 1968 im italienischen Film «L’Oro del Mondo» mitspielen. Sie ist siebzehn, er fünfundzwanzig. Zwei Jahre später heiraten die beiden, vier Kinder und eine rund dreissigjährige Karriere folgen, aber auch Tragödien und ein erbitterter Scheidungskrieg. Nach über einem Jahrzehnt Funkstille erfolgt eine Annäherung. Und jetzt eine gemeinsame Tour.

Die Chemie zwischen ihnen, das ist wie Magie

Die beiden funktionieren auf der Bühne, als hätte es die Trennung nie gegeben. Albano Carrisi sagt denn auch: «Auf der Bühne sind alle Gefühle noch da. Diese Chemie mit Romina beim Musizieren, das ist wie Quecksilber, da passiert Magie, seit dem ersten Tag, immer noch. Was ich singe, durchlebe ich – sonst springt der Funke nicht beim Publikum.»

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Albano Carrisi: «Auf der Bühne sind alle Gefühle noch da. Was ich singe, durchlebe ich – sonst springt der Funke nicht beim Publikum.» (Foto: DAVID MAUPILE)

Der Komponist, Sänger und Weinproduzent sitzt in einem Hamburger Hotelzimmer und gestikuliert jovial, redet über «la famiglia, la musica, il vino, la religione», die wichtigsten Dinge in seinem Leben – mehr Italianità ist kaum vorstellbar. Er sagt nur Gutes: Er liebt das Publikum, er liebt das Hotel, er liebt Touren, er liebt seine alten Hits, er liebt Gott, er liebt alle und alles.

Er sitzt alleine da. Abgemacht war ein gemeinsames Interview, doch Frau Power lässt bitten. Erst wird das Interview ganz abgesagt, dann muss sie erst in Ruhe frühstücken, dann kann sie sich nicht zeigen, weil ihr Visagist bereits abgereist sei, Telefone laufen heiss. Schliesslich ist sie mit fünf Stunden Verspätung doch da – und man verzeiht ihr auf den ersten Blick.

Verliebt auf der Bühne, das war einmal

Es wird sofort klar: Der Star des Duos ist sie. Warm, humorvoll, ehrlich, blitzgescheit, charismatisch und schön. Man wünschte sich, man könnte mit Romina Power ein paar Tage rumhängen, über Gott und die Welt plaudern und Witze reissen. Sie wäre die perfekte coole, glamouröse Verwandte, die man immer gern gehabt hätte.

Romina Power liebt nicht einfach alles. Zur Tour sagt sie: «Die Energie vom Publikum, die man auf der Bühne kriegt, die ist unglaublich, aber Leben aus dem Koffer, das ist übel.» Auch die erneute  Zusammenarbeit mit ihrem Ex-Mann reflektiert sie anders als er: «Auch wenn es so aussieht: Wir lachen uns auf der Bühne keineswegs verliebt an, Al Bano macht einfach trockene Witze, dann muss ich lachen. Gestern hat er mir mitten im Tanz ins Ohr geraunt, Hilfe, seine Hose rutsche ihm über den Po.»

«Würde ich Emotionen auf der Bühne zulassen, könnte ich nicht singen. Ich brächte keinen einzigen Ton heraus.» – Romina Power

Von Gefühlen sei da gar nichts übrig. «Ich halte das aktiv fern – zuunterst im Bauch», sagt sie. «Würde ich eine emotionale Reaktion zulassen, brächte ich keinen Ton heraus.» Power konnte und wollte lange nicht mehr singen. «Ich hatte die Singerei da», sagt sie und macht eine Geste, bei der sie sich den Hals durchschneidet und das Gesicht verzieht, als müsse sie sich übergeben, «ich konnte nicht mehr, es hat mir die Kehle zugeschnürt.»

Das Verschwinden ihrer Tochter zerstörte ihre Ehe

Romina Power und Albano Carrisi gingen – und gehen noch – durch eine der schlimmsten menschlichen Katastrophen, die man sich nur vorstellen kann: 1993 schloss ihre gemeinsame Tochter Ylenia Carrisi ihr Literaturstudium in London mit der Bestnote des gesamten Jahrgangs ab. Sie wollte Schriftstellerin werden und machte sich auf, die Welt zu entdecken – mit einem Backpack und einem Notizbuch. Auf dieser Reise verschwand sie im Alter von 23 Jahren. Zuletzt wurde sie Anfang 1994 in der Nähe von New Orleans im US-Staat Louisiana gesehen.

Während Romina Power stets darauf bestanden hat, dass ihre Tochter noch lebt, hat Albano Carrisi dafür gekämpft, sie für tot erklären zu lassen – auch, um Abschied nehmen zu können. 2013 hat dies ein italienisches Gericht auch verfügt. Ein Vorgehen, das Romina Power ihrem Ex-Mann lange nicht verzeihen konnte: «Hätten sie mich vor ein paar Jahren gefragt, ob ich je wieder mit Albano auf der Bühne stehen würde – ich hatte so eine Wut auf ihn, niemals!» Aber jetzt, mit Distanz, möge sie die alten Songs sogar wieder.

Die Stützen sind Religion und Kreativität

Was hat sich verändert? «Vor Jahren habe ich mitten im Sündenpfuhl von Miami die Religion entdeckt», sagt Power. Buddhismus. Seither meditiert sie. Und Mediation habe ihr das Leben gerettet – und ihr geholfen zu verzeihen. «Meditation verändert das Gehirn. Ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, man wird ein besserer Mensch. Und vor allem ein glücklicherer.»

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Der Star des Duos ist sie – Romina Power: Warm, humorvoll, ehrlich, blitzgescheit, charismatisch und schön. (Foto: DAVID MAUPILE)

Studien geben ihr recht: Längst ist wissenschaftlich bewiesen, dass regelmässige Meditation neuronale Verbindungen im Gehirn verstärkt und so etwa Depressionen entgegenwirkt. Als sie vor drei Jahren von einem Veranstalter angefragt wurde, ob sie zu Ehren von Albano Carrisis 70. Geburtstag mit ihm gemeinsam in Moskau singen würde, sagte sie zu – zum grössten Erstaunen von Albano selbst.

Während Albano Carrisi mit der italienischen Fernsehmoderatorin Loredana Lecciso (44) in Apulien eine neue Familie samt zwei Kindern gegründet und sich neben der Solokarriere auch der Weinproduktion zugewendet hat, hat Romina Power die Musik bis vor kurzem an den Nagel gehängt und ist vor acht Jahren zurück in ihre Heimat nach Kalifornien gezogen.

Ausserhalb grosser Städte, in der Wüste, lebt die Tochter einer Hollywood-Dynastie mit diversen Tieren, malt und schreibt Bücher: Das erste, «Cercando mio padre» (2006), über ihren berühmten Vater, den Filmschauspieler Tyrone Power (†44), den sie im Alter von sechs Jahren verloren hatte. Vier Romane folgten. «Auch kreative Arbeit könne helfen, Schmerz auszuhalten», sagt Power.

«Neben der Bühne gibt es keinen Weg zurück»

Bei allen Differenzen von Albano Carrisi und Romina Power ist erstaunlich, dass beide ähnliche Methoden gefunden haben, mit dem schwarzen Loch weiterzuleben, das das Verschwinden ihrer Tochter nach sich zieht. Denn auch Albano meditiert auf seine Weise: Mit Beten. «Das hilft ein wenig», sagt der strenggläubige Katholik, «auch wenn der Schmerz jeden Tag gleich gross bleibt.»
Und auch ihm hilft Kreativität. Das Schreiben von neuem Songmaterial etwa. Weniges davon singen die beiden auf der Bühne – auch wenn es kein privates gemeinsames Leben mehr gibt. «Neben der Bühne gibt es keinen Weg zurück», sagt denn auch Albano Carrisi. Und wirkt dabei zum ersten Mal so ehrlich offen wie seine Ex-Frau.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im SonntagsBlick Magazin publiziert.

Al BANO & ROMINA POWER
28.9.17, Hallenstadion Zürich
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