Album der Woche: «Firepower» von Judas Priest
Foto © Justin Borucki

Ein Jahr vor ihrem goldenen Jubiläum gelingt Judas Priest ein Meisterstreich. Zurück zu altem Feuer, volle Kraft voraus! Die Speerspitze des Heavy-Metal beweist sich auf ein Neues.

Die Band

Gegründet wurde Judas Priest 1969 als Bluesband in Birmingham. Doch schon auf ihrem zweiten Album 1976 legte die Band ihren Grundstein mit Songs wie «The Ripper» hin zum Heavy Metal. Der hämmernde Hintergrund von Birminghams Stahlindustrie wurde zum Herzschlag, das Tandem-Gitarrenriff zum Markenzeichen ihrer Platten. Vor allem die amerikanischen Hörer wollten diesen rebellischen Sound – und die Band erreichte ein Millionenpublikum. Von 1980 bis 1992 waren Judas Priest eine der treibenden Kräfte des New Wave of British Heavy Metal. Mit Alben wie «Point of Entry», «Screaming for Vengeance» und dem legendären «Painkiller» zementierten sie ihren Platz im Genre. Dann kam der Riss. Rob Halford litt immer mehr unter der Belastung, seine Homosexualität verstecken zu müssen und verliess die Band. Von 1997 bis 2003 übernahm Tim Owens den Job am Mikrofon. Mit 18 Alben im Gepäck, neuem Gitarristen und alten Gesichtern hat sich in der 49-jährigen Bandgeschichte vieles geändert, eines jedoch nicht: Wer Heavy Metal sagt, muss auch Judas Priest sagen.

Das Album

Album der Woche: «Firepower» von Judas PriestMit Tom Allon haben sich die Engländer ihren alten Stammproduzenten nach drei Dekaden wieder an Bord geholt. Das zahlt sich aus: «Firepower» springt einem mehr ins Gesicht als seine düsteren zwei Vorgänger. Dies ist laut Aussage der Band unter anderem K. K. Downings Nachfolger Richie Faulkner zu verdanken. Er habe es meisterhaft geschafft, seinen eigenen Stil beim Komponieren einfliessen zu lassen, ohne dabei zu vergessen, was Judas Priest ausmacht. Die Doppelaxt-Riffs sind wieder klarer am klassischen Heavy Metal angelehnt und trotz der schweren Metal-Gitarrenelemente treiben die Songs nach vorne. Die Rhythm Section tönt nach stampfenden Stahlmühlen – wie es sich für Judas Priest gehört. Rund 25 Songs haben die Jungs in mehreren Monaten aufgenommen – und 14 haben es schliesslich auf die Platte geschafft. An Ideen scheint es der Band auch nach über 40 Jahren nicht zu mangeln. Trotzdem könne die Band nicht ausschliessen, dass «Firepower» das letzte Album ihrer Karriere ist. Zu weit im Voraus würden sie mittlerweile – nach eigener Aussage – nicht mehr planen.

Das Urteil

Der unverwechselbare Sound von Judas Priest ist auf diesem Album wieder sehr viel deutlicher erkennbar. Es scheint fast so, als ob die Band mit den letzten Alben nur Anlauf holen wollte, damit ihnen das Unglaubliche gelingt: Die Messlatte nach 49 Jahren erneut nach oben zu setzen. Neue Elemente fehlen auch diesmal nicht, die Band hat sie aber nur zur Akzentsetzung verwendet und den Mix bravourös umgesetzt. Fünf von Fünf Heavy-Metal Sternen für dieses Meisterwerk!

Die Anspieltipps

Firepower – Klassische Heavy-Metal Anthem, der Titeltrack geht direkt ins Ohr

Evil Never Dies – Man nehme alles, was man an Judas Priest liebt und stecke es in einen Song: Voilà!

Necromancer – gehört auf den nächsten the Walking Dead Soundtrack

Lone Wolf – Den Song, den James Hetfield von Metallica heimlich in der Dusche singen wird, wetten?

No Surrender – Das schönste Gitarrensolo auf dem Album.

Traitors Gate – und der Gewinner ist gefunden – der facettenreichste Song, den man mit nur einmal Anhören noch nicht wirklich gehört hat.

Judas Priest live

Am 26.6.18 spielen sie in der Samsung Hall Zürich. Vielleicht, aber hoffentlich nicht ihr Abschiedskonzert. Als Supporting Act sind Megadeth mit von der Partie.

JUDAS PRIEST LIVE
Di 26. Juni 2018, Samsung Hall Zürich
TICKETS

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