Züri West «Love»: Album der Woche
Züri West bringt «Love» auf die Bühne.

Nach seinem letzten Album «Göteborg» hat sich im Leben von Kuno Lauener alles verändert. Der Bohemien ist zweifacher Papi geworden – und bei Züri West sind zwei neue Mitglieder dabei. Die Frischzellenkur hat sich gelohnt.

Züri West «Love»: Album der Woche
Das Cover des lang erwarteten Albums.

Fünf Jahre sind seit ihrer letzten CD-Veröffentlichung vergangen. Im heutigen Musikbusiness sind fünf Jahre Funkstille eine Ewigkeit. Nirgends war eine Newsmeldung über die kultige Berner Band zu lesen. Kein Kuno als Juror in einer der zig Fernseh-Castingshows, keine Memoiren oder Mini-Rolle in einem Indie-Film. Einfach nichts – und das nach 33 Jahre Bandgeschichte. Die vielen Züri-West-Fans im Schweizerlande machten sich schon Sorgen um Lauener und seine Gspänli. Mit dem stillen Release von «Love» am 24. März zerplatzten die Sorgen aber wie Seifenblasen in einer lauen Sommernacht.

Das neue Album

Züri West «Love»: Album der Woche
Kuno und seine Züri-West-Giele.

Ein Album mit dem verheissungsvollen Titel «Love» von Züri West verspricht sanftsüsse Balladen mit subtilen Textzeilen. Die ruhigen Songs sind gestochen scharfe Liebesgeschichten aus Laueners Universum. Der Berner versteckt seine messerscharfen Beobachtungen zwischen den Zeilen. Deshalb entfaltet sich eine neue Züri-West-CD erst mit der Zeit. So wie ein neues Lieblingsparfüm auf der Haut. Die 12 neuen Stücke finden erst langsam den Weg in die Gehirnwindungen. Plötzlich summt man den Refrain zu «Schatteboxe» unter der Dusche, im Tram oder im Stau. Nonstop, überall.

Sind die Zeilen oben angekommen, bleiben sie haften wie Karamell an Zahnplomben. «Love» hinterlässt ein beschwingt-leichtes Gefühl, das man gerne in den Alltag mitnimmt. Es taucht die Welt für eine Albumlänge in ein schöneres Licht. Aber lassen sich diese Gefühle auch live transportieren? Das wird sich zeigen. Züri West touren mit der Liebe im Gepäck durchs Land, die heissen Proben laufen.

Urteil

Ein kreatives Sabbatical, wie es sich Züri West gegönnt haben, würde anderen Bands, die im Akkord Alben herausbringen, gut tun. Das Bankkonto leidet, doch der Musik gibt es Zeit, sich zu entwickeln. Wie bei einem guten Wein, der Zeit zum Atmen braucht. Eine Platte, die man Song für Song geniessen kann, wie ein Grand Cru. «Love» lässt sich nach mehrmaligem Hören in die CD-Sammlung stellen, die Songs haben sich schon fest in den Gehörgängen festgeklammert. Aber es tut nicht weh, es passiert sanft und mit Leichtigkeit.

Anspieltipps

«Schatteboxe» – Melancholisches Klavier-Intro, zartbittere Textzeilen, passend zum schwarz-weissen Videoclip.

«Schachtar gege Gent» – Lüpfiger Rhythmus, das Tanzbein wippt mit. Coole Gitarren-Line.

«Chliine Brueder» – ein Vater, mit Herz und Seele. Ein Papi, der beim Beobachten seiner Kids alles um sich vergisst. Süsse Momentaufnahme.

«Sunntig Mittag i de Sächzgerjahr» – Lässige Secondo-Hymne.

Kuno Lauener über das Album

Früher bin ich gerne in die Beiz gegangen und habe Leute beobachtet. Wenn du bekannt bist, geht das nicht mehr. Für «Love» habe ich mich inspirationsmässig von Büchern, Filmen und Gesprächen ernährt.

ZÜRI WEST
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