Album der Woche: «Mania» von Fall Out Boy
Die Fantastischen Vier aus Chicago: Fall Out Boy haben endlich wieder mal ein Album veröffentlicht!
Album «Mania» von Fall Out Boy, erschienen am 19. Januar 2018.
Album «Mania» von Fall Out Boy, erschienen am 19. Januar 2018.

Kaum veröffentlicht, schiesst das lange erwartete neue Album von Fall Out Boy in den Charts schon steil nach oben. Die Popmusik haben die vier Ex-Emo-Post-Punker mit «Mania» nicht neu erfunden. Aber sie treffen der Nerv der Zeit, indem sie sich daran orientieren, was denn gerade hip ist und was ihre Kollegen zur Zeit so erfolgreich macht. Das funktioniert bestens: Pop-Musik im wahrsten Sinne des Wortes, «populäre» Musik.

Die Band

Bassist Pete Wentz und die beiden Gitarristen Patrick Stump und Joe Trohman fanden 2001 in Chicago zusammen, 2003 kam Drummer Andy Hurley dazu – und dann schlug der Erfolg ein: 2005 gabs Doppel-Platin, ein Jahr darauf folgte die erste grosse US-Tournee. Nach drei Jahren Pause, von 2010 bis 2013, startete die Band nochmals richtig durch. Zuletzt schafften sie es mit ihrem Album American Beauty / American Psycho (2015) an die Spitze der US-Charts, in der Schweiz immerhin auf Platz 15.

Das neue Album

Endlich ist es da! «Mania» war eigentlich schon für letzten September angekündigt. Offenbar wollten die Produzenten Dave Sardi, Butch Walker, Illangelo, Jesse Shatkin und Neal Avron noch etwas länger am Sound herumschräubeln. Das merkt man – gerade spontan wirkt das Album nämlich nicht. Vielmehr handelt es sich um eine solide Studioproduktion, was ja auch nicht von schlechten Eltern ist. Der bereits erschienene Titel «Young And Menace» ist eher im Stil elektronischer Tanzmusik gehalten als im für die Band früher typischen Alternative-Rock-Groove. «Champion», ebenfalls schon veröffentlicht, geriet ziemlich poppig und rockig. Einige Tracks kommen etwas weniger eingängig daher als frühere Hits wie «The Phoenix» (2013) oder «My Songs Know What You Did In The Dark (2013).»

Unser Urteil

Die Phase der Post-Punk-Gitarrenriffs ist bei Fall Out Boy schon lange durch. Auch mit ihrem aktuellen Album setzen die Vier lieber auf aktuelle Trends und Stadionrock-Refrains, die an Kollegen wie Panic at the Disco erinnern. Fazit: Der Sound auf dem Album ist nicht, was man erwartet hätte – geht aber auch nicht als eigenständig durch. Denn dafür schaut die Band zu sehr nach links und nach rechts, orientiert sich zu sehr an den aktuellen Trends. Trifft damit aber auch den Geschmack der Zeit. Was nicht heissen soll, dass dieses muntere Album keinen Spass machen würde. O doch!

Anspieltipps

Im Video zu «Wilson» machen sie sich über Teleshopping-Sendungen lustig. Auch der Sound ist ganz munter und aufgedreht.

Auf «Hold Me Tight» quietschen die Synthesizer, zur Reggaeton-Rhythmik gesellt sich Fingerschnipsen. Major Lazer könnte hier Pate gestanden haben. Im Video dazu sieht man die Band aber weder in Puerto Rico oder Jamaica, wo der Sound heimisch wäre. Sondern am mexikanischen Tag der Toten.

Bei «Sunshine Riptide» ist der nigerianischen Reggae-Sänger Burna Boy mit von der Partie. Was für ein Kontrast zum Emo-Sound der frühen Fall Out Boy Tage!

«Heaven’s Gate» lehnt sich an den Sound von Maroon 5 an. Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden, war hier wohl die Devise.

Die Band über ihr Album

fall-out-boy-2018-01Das Album selbst drehe sich um das Thema Menschlichkeit, verkündet Pete Wentz. Er denke viel über Neurosen nach. «Ich denke, das macht uns menschlich». Über Ängste und Trauer zu sprechen, könne Menschen näher zusammenbringen. «Es geht um das Aussenseiterdasein, das Anderssein als die breite Masse – und um die gemischten Emotionen, die damit verknüpft sind».

«’Mania‘ ist mit Buchstaben geschrieben, die immer weiter auseinandergehen. Das ist die Art, wie sich mein Hirn manchmal fühlt, wenn ich nicht geschlafen habe», sagt Pete Wentz weiter. «Genau so ist es, wenn du auf Tournee bist, weil du dann nicht viel schläfst.»

Fall Out Boy live

«Jeder Track klingt live anders als auf der Platte – und das bei jeder Show. Aber das ist aufregend und gut so», sagt Sänger Patrick Stump. «Dance, Dance» sei übrigens einer der Songs, den der Frontmann am liebsten auf der Bühne performe, wie er sagt: «Er verkörpert das, was wir als Band sind und macht einfach Lust zu Tanzen».

Die «Mania»-Tour startet nächste Woche in Los Angeles und führt auch nach Europa. Ein Schweizer Datum gibt es allerdings noch nicht.

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