OMD - Album der Woche
Andy McCluskey (links) und Paul Humphreys sind Orchestral Manoeuvres in the Dark, kurz OMD.

Orchestral Manoeuvres in the Dark sind Achtziger-Poplegenden, die eingängige Melodien mit hinterhältig-gehaltvollen Texten verbinden. In «Enola Gay» besangen sie 1980 eine Atombombe, jetzt gibt es Prügel für den Luxus. 

«Punishment of Luxury» ist das dreizehnte Album von OMD – erschienen am 1. September 2017.
«Punishment of Luxury» ist das dreizehnte Album von OMD – erschienen am 1. September 2017.

Die Band

Inspiriert von den deutschen Elektro-Pionieren Kraftwerk gründeten die Liverpooler Andy McCluskey (heute 58) und Paul Humphreys (57) 1978 die Pop-Band «Orchestral Manoeuvres in the Dark» («Orchestrale Manöver im Dunkeln»), kurz OMD. Mit «Enola Gay», «Joan of Arc» landeten sie in der New-Wave-Blütezeit der frühen Achtzigerjahre ganz oben in den europäischen Charts, mit «If you Leave» dann 1986 auch in den USA. Dann glaubten sie, auf Gitarrensound wechseln zu müssen. Kam nicht gut an. Ende der Neunziger trennten sich die beiden und stritten sich um Rechte; Andy machte solo weiter – mässig erfolgreich bis 1998 – und erfand dann die weltweit erfolgreiche Girl Group «Atomic Kitten». 2005 wurden Paul und Andy von RTL in die «Ultimative Chartshow» eingeladen und fanden so wieder zusammen. In ihren zwei nächsten Alben «History of Modern» (2010) und «English Electric» (2013) besannen sie sich wieder auf ihre elektronischen Wurzeln.

So tönte das in ihren Anfangszeiten: OMD mit «Enola Gay» 1980.

Das neue Album

So kurios wie der Name der Band ist auch der Titel des neuen Albums: «The Punishment of Luxury» («Bestrafung für den Luxus»). Er stammt von einem Gemälde des italienischen Malers Giovanni Segantini aus dem Jahr 1891.

Im Text des gleichnamigen Songs wird tüchtig Konsumkritik geübt, was auch das Video dazu in brillanten Minimalgraphiken illustriert:

Der Clip zum Titelsong «The Punishment of Luxury».

Dieser und auch einige weitere der 12 Tracks gehen ironisch oder sehr direkt mit den Luxusproblemen des modernen Lebens ins Gericht. Gleichzeitig sind sie stromlinienförnig designte, melodische Ohrwürmer.

Anspieltipps

«Isotype»: Ein Kinderlied über Graphiksymbole, eine Hymne für die Generation Emoticon – das kann nur OMD! Auch hierzu gibt es ein passendes Video.

«Art eats Art»: Was der DJ-Ötzi-Song «Burger Dance» über McDonalds und Pizza Hut für Kindergartenknirpse darstellt, ist dieser Song für Intellektuelle und Hipster: Der Text besteht aus einem Namedropping bekannter Künstler der Neuzeit.

«The Punishment Of Luxury»: Schlichtweg einer der besten OMD-Songs überhaupt. Achtziger-Sound, aber trotzdem ultramodern und frisch – oder gar zeitlos. Hitpotenzial – wird nicht nur ihre alten Fans begeistern.

Urteil

Wer es wie OMD schafft, auch auf seinem dreizehnten Album nochmals «eins draufzusetzen», hat dafür Respekt und Lob verdient. Funktioniert aber nur für Hörer, die auch die Ironie spüren – OMD laufen mit ihren allzu banalen Melodien Gefahr, von manchen als die Amigos des Elektropop missverstanden werden.

Die Band über ihr Album

Paul Humphreys: «Wir wollten unserem Stil treu bleiben, haben uns aber auch bemüht, noch minimaler als in unseren früheren Alben zu werden.
Andy McCluskey: «Wir haben versucht, eckiger und kantiger zu werden. Aber unsere Liebe für eingängige Melodien, die werden wir einfach nicht los.»

OMD live

Im Moment auf Europatournee – hoffentlich auch bald mal wieder bei uns.

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