Sie ist seit über 15 Jahren im Geschäft und ging wegen zwei Brustkrebserkankungen auch durch schwere Zeiten. Doch Anastacia lässt sich deswegen nicht unterkriegen, im Gegenteil. Heute ist sie mit neuer Musik unterwegs und will die Menschen zur Krebsprävention sensibilisieren.

Sie haben Ihr neues Album «Evolution» auf den Markt gebracht. Was ist die Hauptbotschaft?
Anastacia: Die gibt es nicht. Mir geht es darum, dass jeder einzelne Song etwas übermittelt, aber das lässt sich nicht auf das ganze Album übertragen. Wichtig ist mir, dass alle Songs stärken und positiv sind. Ich habe also vor dem Schreiben nicht gewusst, wie das Album werden soll.

Wo schreiben Sie Ihre Songs?

Anastacia 2017
Ihr Markenzeichen sind seit Jahren ihre Sonnenbrillen: Anastacia selbst weiss aber nicht, wie viele Exemplare sie davon besitzt.

Das kann ich echt überall machen. Als wir das Album in Schweden produziert haben, habe ich mich in ein leeres Café gesetzt, eine Cola light getrunken, meine Kopfhörer aufgesetzt und Musik geschrieben. Als ich dann wieder hochgeschaut habe, war das Lokal auf einmal rappelvoll. Ich war so in meine Arbeit versunken, dass ich das gar nicht gemerkt habe.

Wie lange waren Sie in Schweden?
Immer wieder mal für vier Monate. Ich war gleichzeitig auf Tour und hatte daher nur begrenzte Zeitfenster, um das Album zu produzieren. So habe ich bisher noch nie gearbeitet, es war das wohl schwierigste, was ich bisher gemacht habe. Und ich würde es wohl nicht wieder tun.

Warum?
Der Druck war viel zu gross. Ich wusste, das Album muss am 15. September erscheinen und wir hatten April, also nur noch einen Sommer dazwischen. Darum waren wir gestresst. Aber hey, ich habe das alles gemeistert!

Sie haben auch zweimal den Brustkrebs besiegt. Was haben Sie von dieser Zeit mitgenommen? 
Beim ersten Mal war ich erstaunt, weil niemand in meiner Familie zuvor Brustkrebs hatte. Siebzig Prozent aller Krebserkrankungen sind nicht genetisch bedingt. Das hat mich erstaunt, weil die Ärzte ja immer fragen, ob es Krebserkrankungen in der Familie gibt. Die Ärzte konnten mir keine Ursache nennen, nicht das Essen, nicht der Stress oder schlechte Luft – und trotzdem trägt alles dazu bei. Ich will einfach, dass Frauen von dieser 70-Prozent-Statistik wissen und sich früh genug testen lassen. Das Beste für mich war, dass bei mir die Erkrankung früh genug gefunden wurde.

Wie hat Ihr Umfeld während der Erkrankung reagiert?
Als ich zum zweiten Mal an Brustkrebs erkrankt bin und wusste, dass ich eine doppelte Brustamputation machen werde, bat ich meine Schwester, alles mit Film und Fotos zu dokumentieren. Sogar dann, wenn ich sie bitten sollte, nicht zu dokumentieren. Und als ich aus dem Warteraum kam, merkte sie, dass es für sie nicht geht. Es war zu schwierig für sie, mich so zu sehen. Ich habe bis dahin nicht realisiert, wie schwierig die Erkrankung auch für das eigene Umfeld ist. Und meine Familie ist froh, dass ich keine Operationen mehr an Weihnachten unterbringen muss, weil das die einzige Zeit im Jahr ist, an der ich Zeit habe (lacht).

Sie werden nächstes Jahr 50. Und Sie sehen viel jünger aus! 
Das ist auch der Grund, warum mich die Plattenfirma bei meinen Anfängen zehn Jahre jünger gemacht hat. Ich sah schon immer jünger aus und hatte auch immer eine jüngere Persönlichkeit.

Trotzdem hatten Sie als 30-Jährige auf Botox gesetzt.
Ja, ich war zu begeistert davon. Ich war paranoid darüber, wie ich im Fernsehen aussehe. Ich habe mich irgendwann aber nicht mehr selbst erkannt, als ich mein Gesicht nicht mehr bewegen konnte.

Wie viele Sonnenbrillen haben Sie?
Ich habe keine Ahnung. Es ist eine Sucht. Ich entscheide jeden Tag, ob ich eine Sonnenbrille trage. Ich habe meine Augen lasern lassen und kann mittlerweile sehr spontan entscheiden, ob ich eine trage oder nicht. Aber ich vermisse sie, wenn ich sie nicht habe. Darum kann ich nicht darauf verzichten.

Sie sind oft in der Schweiz. Was war das schönste Erlebnis hier?
Ich war hier so ums Jahr 2004 mal Schlittschuh laufen. Das war toll, weil
da jeder in seiner Kleidung gleich aussieht. Ich mochte es sehr, weil ich so unerkannt bleiben konnte. Es war ein schöner Tag.

Sie haben schon mit der Schweizer ESC-Gewinnerin Céline Dion gesungen.
Genau! Was? Sie hat den Eurovision Song Contest gewonnen? Das wusste ich nicht! Sehr cool!

Genau, im Jahr 1988. Wie kam Ihr Duett zustande?
Sie ist eine sehr lustige und nette Person. Sie hatte unter anderem Cher und andere Musiker in «Divas Las Vegas»-Show angefragt, ob sie mit ihr «You Shook Me All Night Long» singen wollen, aber alle sagten ab. Doch ich wollte es unbedingt machen, weil ich die Idee sehr clever fand. Später habe ich ja auch ein Album mit klassischen Rock-Song-Covers herausgegeben.

Sie sind in vielen deutschen TV-Shows aufgetreten. Da sind Sie sicher mit Schlager in Kontakt gekommen. 
Ja! Ich mag Helene Fischer sehr, sie ist sehr gut. Ihre Songs sind griffig, sie erinnert mich etwas an eine Country-Céline-Dion. Von Helene habe ich einen besseren Eindruck als von der Schlagermusik, die man normalerweise in Bars hört. Ich will nicht respektlos sein, aber ich kann mich als Musikerin mit ihren Hooks und Melodien identifizieren.

Haben Sie sie mal kennengelernt?
Nein, leider noch nicht. Sie ist toll. Also Helene! Check mich aus! Schreib mir auf Instagram!

Ihre schlechteste Eigenschaft?
Ich trinke viel zu viel Cola light. Es ist nicht gesund. Aber ich mache es nicht jeden Tag, ich konnte es einfach noch nicht ganz aufgeben.

Sie sagten, dass sie wegen Trump die USA verlassen könnten.
Wenn unsere Rechte genommen und verletzt werden und ich nicht verstehe, wieso ich überhaupt noch dort lebe, dann sicher. Momentan ist noch nichts entschieden, man hört immer nur heisse Luft von Trump. Aber es macht sicherlich keinen Spass, ihm zuzuhören und es ist schon peinlich als Amerikaner. Er sagt ja immer, er sei der Vertreter der freien Welt, aber er ist mehr eine Puppe, ich nehme ihn nicht ernst. Auch der Senat und der Kongress winken seine Eingaben nicht durch, weil Trump nicht zu Ende denkt. Ich will nicht, dass wir irgendwann von anderen Staaten angegriffen werden, weil Trump seine Aggressionen auf Twitter loswerden muss. Um drei Uhr früh. Auf der Toilette.

ANASTACIA
Mi 2. Mai 2018, Volkshaus Zürich
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