André Rieu 2017
Foto: Marcel van Hoorn

Seit 30 Jahren ist Stargeiger und Walzerkönig André Rieu (68) erfolgreich unterwegs. Wenn er im Januar wieder in Zürich spielt, bringt er Lieder zum Thema Liebe mit – und eine Violine, die wie Opernlegende Maria Callas klingt, wie er uns verriet.

Ihr neues Album heisst «Amore». Es gibt unzählige schöne Liebeslieder. Wieso genau diese?
Mein neues Album ist eine Hommage an die Liebe zur Musik und zu meinen beiden Familien: meiner «grossen Familie», dem Johann Strauss Orchester, und meiner «kleinen Familie», meiner Frau und meinen Kindern. Die CD enthält meine ganz persönliche Auswahl der für mich romantischsten Titel der Welt, z.B. die «Ballade pour Adeline», «Love me Tender» oder «Only Love». Genau das Richtige für einen romantischen Abend zu zweit.

Sie feiern Ihr 30-jähriges Jubiläum. Was wollen Sie in den nächsten 30 Jahren anders machen?
Eigentlich nichts! Ich glaube, ich habe sehr viel richtig gemacht. Der schönste Beweis sind die vielen fröhlichen Menschen, die ich jeden Abend bei meinen Konzerten vor mir sehe. Das gibt eine unglaubliche Energie. Die Zuschauer schreiben mir, dass sie zwei Wochen brauchen, um nach unseren Konzerten wieder runter zu kommen. Ich finde das fantastisch.

Bekanntlich muss man jeden Tag Violine üben, um es nicht zu verlernen. Wie oft üben Sie?
Jeden Tag. Auf Tour weniger, wenn ich zu Hause bin mehr.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Mitglieder Ihres Orchesters aus?
Ich höre sofort, ob einer gut spielen kann. Die Qualität muss natürlich stimmen, es muss ein exzellenter Musiker sein. Aber ich möchte ausserdem, dass meine Musiker mit dem ganzen Herzen und mit Freude dabei sind. Unsere Fröhlichkeit auf der Bühne ist echt, nicht gespielt. Und die überträgt sich sofort auf den Zuschauer.

Es gibt das Gerücht, dass Kontrolle darüber geführt wird, wie oft die Orchestermitglieder ins Fitness gehen. Wie wahr ist dieses Gerücht?
Haha, nein! Ich mache drei Mal die Woche Kraftsport – und auf Tour habe ich einen Personal Trainer dabei. Ich habe mal meinen Orchestermusikern und auch Mitarbeitern Fitnessgutscheine angeboten, aber natürlich kann jeder frei entscheiden, was er machen möchte. Ich sorge mich gerne, dass sich alle wohl fühlen. Viele meiner Musiker sind bereits seit über 25 Jahren bei mir, das ist doch schön.

Sie spielen auf einer Stradivari-Violine. Was ist anders im Vergleich zu einer «normalen» Violine?
Ich sehe mich nicht als Besitzer der Stradivari, sondern als «Caretaker» für die nächste Generation. Sie ist von 1732. Stradivari hat ganz besonderes Holz für den Bau seiner Geigen verwendet. Diese ist eine seiner letzten. Sie hat einen wunderbaren Klang, sie erinnert mich immer etwas an Maria Callas, an die tiefe Wärme in ihrer Stimme.

Wie oft denken Sie an das Jahr 1987 – an den Anfang Ihrer Karriere – zurück?
Die erste Probe fand in der Schule meiner Jungs statt, im Winter, ohne Heizung. Ein Musiker ist gleich wieder gegangen, haha, der sagte, das tue ich mir nicht an. Der ärgert sich jetzt wahrscheinlich. Marjorie und meine Söhne haben uns heisse Suppe vorbei gebracht. Es war eigentlich eine sehr schöne Zeit. Ich hatte immer den Traum, mit meinem eigenen Orchester um die Welt zu reisen. Und der hat sich erfüllt, nicht zuletzt dank der grossartigen Unterstützung durch meine Frau und meine Familie.

Das Johann-Strauss-Orchester hat, wenn Sie spielen, keinen Dirigenten. Denken Sie, dass Dirigenten überflüssig sind?
Oh nein, ganz im Gegenteil! Ohne Dirigenten geht gar nichts. Natürlich dirigiere ich. Zwar nicht mit einem Taktstock, dafür aber mit der Geige, dem Geigenbogen, den Händen, dem Kopf, den Augen. Einer muss die Leitung haben.

Bei Ihren Auftritten klingt alles perfekt: rein und zusammen. Wie viel davon ist Playback?
Nichts, wir spielen natürlich live. Wir machen jeden Nachmittag in jeder neuen Halle einen Soundcheck von ca. einer Stunde. Natürlich brauchen wir Verstärkung durch Mikrophone, das ist ganz klar, das ist bei jedem grossen Konzert so, egal ob Pop oder Klassik

Warum denken Sie, feiert das Johann- Strauss-Orchester solch einen grossen Erfolg?
Weil wir das Publikum wirklich erreichen. Wir spielen mit Freude und mit dem ganzen Herzen. Ich sehe alles, was im Publikum passiert, wir sind unseren Zuschauern zugewandt. Kommunikation und Emotionen sind das Geheimnis. Bei meinen Konzerten ist alles erlaubt, weinen, lachen, singen, tanzen. Die Menschen habe Freude, wenn sie bei uns sind. Und natürlich spielen wir viele herrliche Melodien, haben eine schöne Bühne, schönes Licht und aufwendige Kostüme. Ich werde auch meinen Zuschauern in Zürich im Januar wieder etwas für das Auge zu bieten.

David Hasselhoff ist auf Ihrer DVD dabei. Warum das?
Jedes Jahr lade ich einen Special Guest für meine Konzerte nach Maastricht ein. Ich habe David vor vielen Jahren einmal bei Wetten, dass…? kennengelernt. Er hat «Looking for Freedom», «Love me Tender» und «La Paloma Blanca» in Maastricht gesungen und so einen grossen Erfolg gehabt. Es war eine schöne Zusammenarbeit.

Wie wichtig ist Ihnen das Erscheinungsbild des Orchesters und der Bühne?
Als ich nach meinem Studium im Orchester meines Vaters spielte, in einem klassischen Symphonieorchester, habe ich mich gefragt: Warum sind eigentlich alle in Schwarz? Das sieht ja alles so ernst und traurig aus. Also hab ich das geändert. Unsere Kostüme sind sehr aufwendig, und auch die Bühne an sich wird schön dekoriert. Dazu gibt es wunderbare LED-Screens und Beleuchtung. Unsere Konzerte sollen eine wahre Freude für Ohr und Auge sein.

ANDRÉ RIEU
20.01.2018, Hallenstadion Zürich
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