«Nur weil man sich trennt, muss man sich nicht hassen», sagt Anna Rossinelli. Im Interview erzählt die Basler Sängerin, wie sich die Band mit dem neuen Album «White Garden» verändert und wieder zusammengerauft hat.

Es ist vier Uhr morgens. Anna Rossinelli kommt von einer langen Partynacht nach Hause. Doch statt zu schlafen, setzt sie sich in die Küche und schreibt einen Song. Etwa so ist der Titeltrack des neuen Albums «White Garden» entstanden. Es ist ein Song über ihre damalige Gefühlslage. Anna hat eine zwölfjährige Beziehung hinter sich. Und erst noch mit Bassist Georg aus der eigenen Band. «‹White Garden› ist nicht nur Schmerz und Trennung, sondern auch eine Bejahung des Leben», stellt die Baslerin dennoch klar. Zu diesem Zeitpunkt ist sie frisch verliebt.

«Aber sowieso berührt mich melancholische Musik mehr. Das bin mehr ich.» 

Nur sitzt der neue Freund in Rom statt mit der Sängerin in der Küche. «Der Song handelt genau davon, dass man den anderen vermisst, wenn er nicht da ist. Und wie es ist, wenn man sich frisch verliebt.» Wer die bisherigen Alben von Anna Rossinelli kennt, merkt: Da ist etwas passiert. Die Songs klingen melancholischer als vorher. «Wenn sich dein ganzes Leben ändert, schreibst du nicht nur Happy-Songs», erklärt die Musikerin. «Aber sowieso berührt mich melancholische Musik mehr. Das bin mehr ich.»

Auch Georg verarbeitete Trennung und Neuanfang in einem Song. «Two Hearts In My Chest» handelt vom Gefühl, sich von Altem zu verabschieden und Neues zu wagen. Der Bassist hat es geschafft. Inzwischen ist auch er wieder in einer Partnerschaft und sogar Vater geworden. Musikalisch gesehen ist sein Verarbeitungssong eine melancholische Elektropop-Nummer. Annas «White Garden» ist ein funky Uptempo-Song, der perfekt in eine Disco in den 80ern passen würde.

Nochmals eine andere Stilrichtung zeigt der von allen drei Bandmitgliedern gemeinsam geschriebene Song «Jewellery» an. Es ist eine R’n’B-Nummer à la Destiny’s Child. Nicht nur mehr Melancholie, sondern auch mehr Elektronik charakterisiert das fünfte Rossinelli-Werk. «Das Album entstand recht natürlich», sagt Anna. Allerdings legten sich die drei Basler mit Pablo Nouvelle einen Produzenten aus der Elektronika-Ecke zu. Und die langen Clubnächte hatten bestimmt auch einen Einfluss.

«Es können noch recht viele Stürme kommen. Wir lassen uns nicht umwinden.» 

Live präsentiert Anna Rossinelli einen Mix aus ihren bekannten Hits wie «Let It Go» oder «Bang Bang Bang» sowie Songs von «White Garden». Über die aktuelle Single «Hold Your Head Up» sagt Anna: «Das ist unser Genesungssong. Wir wollen immer noch die starke Schulter für den anderen sein. Er soll signalisieren: Nur weil man sich trennt, muss man sich nicht hassen.» Damals war für Anna wie auch Georg klar: «Entweder gibt es die Band zu dritt oder nicht.» Klar habe es Eifersüchteleien gegeben. Aber: «Es können noch recht viele Stürme kommen. Wir lassen uns nicht umwinden.»

Thema ESC zum Beispiel. Hatte die Teilnahme am Eurovision Song Contest Anna Rossinelli 2011 schweizweit bekannt gemacht, wurde der Musikwettbewerb später zum Fluch. «Viele wussten, wer ich bin, aber nicht, wer dahintersteckt. Es gibt immer noch Leute, die uns auf den ESC reduzieren.» Auch dank des neuen Nummer-1-Albums verblasst der ESC Stempel allmählich. Bald möchte die Band im Ausland auf Tour gehen. «Das ist ein Traum und ein Ziel.»

Anna Rossinelli
14.06.2019 – 10.10.2019, diverse Locations
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