Circus Monti Dreambox 2017
Haben eine gemeinsame Jonglage-Nummer: Johannes und Mario Muntwyler im diesjährigen Programm Dreambox.

Sohn Mario und Vater Johannes Muntwyler stehen im neuen Programm des Circus Monti gemeinsam in der Manege. Wir haben hinter die Kulissen des Betriebs geschaut, der Zirkusband zugehört und nachgefragt: Wie ist es, in die Artistenfamilie hineingeboren zu sein?

Zum Gespräch empfangen uns die beiden in einem kleinen, aber gemütlichen Wohnwagen mit Tisch und Bank. Johannes und Mario machen einen zufriedenen und entspannten Eindruck. «Wir sind kein normaler Zirkus», sagt Johannes. Er rührt einen Löffel Zucker in seinen Kaffee und fährt fort: «Meine Eltern waren ursprünglich Lehrer, haben dann aber den Circus Monti aus dem Nichts aufgebaut.»

Seit 1977 steht Johannes Muntwyler in der Manege. Angefangen im Circus Olympia und acht Jahre später im eigenen Circus. Klar hat sich seit Beginn viel verändert. Der Grundtenor blieb jedoch bestehen: «Meinen Eltern lag viel daran, möglichst alle Mitarbeiter im Programm einzubinden. Später haben wir Persönlichkeiten engagiert, die das Programm konzipierten. So haben wir etwa unter der Regie von Dimitri als erster Zirkus 1998 den Prix Walo gewonnen», erzählt Johannes stolz. Mit Dimitri als Regisseur und seinen Bedingungen hat sich in der Vorbereitung fürs Programm viel verändert. Was aber bis heute bestehen bleibt: Ein Komponist schreibt die Musik für das ganze Programm, dasselbe gilt für die Kostüme und das Plakat. Auch die Proben beginnen jeweils zwei Monate vor der Premiere.

Aus dem Zirkuszelt klingt Musik. Die Band ist am Proben. Für Johannes und Mario ist das normal und sie lassen sich nicht davon ablenken. Auf die Frage, wie sie die Artisten auswählen, erklärt Johannes: «Es gibt viele, die zwar technisch hervorragend sind, aber keinen Ausdruck haben. Beim Circus Monti geht es darum, dem Publikum ein besonderes Erlebnis mit viel Herzblut zu bieten. Dies beginnt bereits mit dem Plakat. Wir wollen Künstler, die in den Zuschauern Gefühle auslösen. Sind die Artisten erst mal da, entsteht meist ein Familiengefühl.» Er nippt an seinem Kaffee, lächelt zufrieden.

Circus Monti Dreambox 2017
Im Büro des Chefs: Zusammen mit Sohn Mario erledigt Johannes Muntwyler administrative Aufgaben.

Will Mario den Familienbetrieb später übernehmen? Er wirft einen Blick Richtung Vater und sagt schmunzelnd: «Wie es weitergehen wird, weiss ich noch nicht. Nach meinem KV-Abschluss war ich ein Jahr weg vom Circus Monti. Ich hatte aber sehr schnell Heimweh. Mir wurde bewusst, dass ich es vermisse. Ich durfte dann zurückkommen, aber mit der Bedingung, dass ich mich hier mehr einbringe und auch mehr Verantwortung übernehme. Daher werde ich noch eine Weile hierbleiben.»

«Aus dem ‹normalen› Leben vermisse ich nur die Sommerferien am Strand», sagt Mario und lacht. «Ich bin glücklich, dass ich im Zirkus aufwachsen durfte. Ich kann und will kein anderes Leben führen.» Der erst 21-Jährige fügt an, dass er zwar einmal im Fussballclub war, dies jedoch keinen Platz in seinem Alltag mehr hatte. «Meine KV-Ausbildung war sehr streng. Ich musste nach der Schule zurück zum Ort fahren, an dem wir gerade gastierten. Somit hatte ich einen ganzen Tag Schule, am Abend bis spät Vorstellung. Am nächsten Morgen musste ich teilweise wieder früh aufstehen, um rechtzeitig in der Schule zu sein.» Nach einer kurzen Pause fügt er an:«Am Anfang war es schwierig für mich. Ich war es mir nicht gewohnt, niemanden zu kennen. Hier im Zirkus sind wir eine Familie, leben wir wie eine Grossfamilie. Man kennt sich. Trotz allem habe ich die Abwechslung von Zirkus und Ausbildung sehr genossen. Mein Vater wollte für alle Kinder, dass wir einen Abschluss haben. Somit müssen wir nicht gezwungenermassen im Zirkus arbeiten, falls wir dies einmal nicht mehr wollen.»

«Konkurrenz belebt die Innovationskraft. Die Zuschauer profitieren davon.»

Keinen anderen Zirkus in der Schweiz nimmt Johannes als Konkurrenz wahr. Er sieht sie vielmehr als Mitbewerber. Nachdenklich schaut er kurz aus dem Fenster und fügt an: «Wenn jemand eine gute Vorstellung bei uns sieht, ist er vielleicht nachher motiviert, später auch noch einen anderen Zirkus zu besuchen.» Schlechte Mitbewerber seien schlecht für die Branche. Wenn etwa jemand zum Zirkus gehe und während des Besuchs denke, «das will ich mir nicht nochmals antun». Und, Konkurrenz belebt die Innovationskraft. «Je besser die Mitbewerber sind, desto mehr sind die anderen gefordert, mitzuhalten und sich vom Ganzen auch abheben zu können. Die Zuschauer profitieren davon», ist er überzeugt. «Ausserdem haben wir es in den letzten Jahren geschafft, Programme zu gestalten, die nicht austausch- oder verwechselbar sind. Dadurch haben wir uns auch einen Namen geschaffen.»

«Seit den 40 Jahren, die ich nun schon in der Manege auftrete, gibt es viele schöne Erlebnisse. Ein besonderer Moment war sicherlich der, als ich das erste Mal mit meinen Jungs auftrat», sagt Johannes. Wieder hört man die Musik vom Zelt her erklingen. Diesmal wiederholt die Band die gleiche Stelle wieder und wieder. Mittlerweile neigt sich auch unser Gespräch dem Ende zu. Wir wollen noch wissen, ob Mario vor seinem Auftritt nervös ist. Mario gibt zu, dass ein bisschen Aufregung dazugehört. «Aber zu nervös darf ich auch nicht sein, sonst fällt mir wegen der Schweisshände alles runter», sagt Mario und lacht.

Was versteckt sich in der «Dreambox»?

Circus Monti Dreambox 2017
Die Kanadierin Marilou Verschelden zeigt am Rhönrad ihr Können.

Auch im diesjährigen Programm «Dreambox» hat der Circus Monti einen roten Faden ins Programm eingebaut. Es geht um eine kleine und geheimnisvolle Kiste, von der die Zuschauer nichts weiter wissen ausser, dass es um Wünsche und Träume, Freundschaften und Vertrauen, Sein und Streben geht. Zusammen mit dem Protagonisten des Programms, Clownfigur Arthur, werden immer neue Seiten und Aspekte der «Dreambox» aufgedeckt.

Auch in diesem Jahr treten im Circus Monti vielversprechende junge Artisten aus der ganzen Welt auf. Und im Programm ist garantiert was für jeden dabei: Die Kanadierin Marilou Verschelden zeigt am Rhönrad ihr Können (Bild). Hinzu kommen Nummern wie eine Hand-auf-Hand-Darbietung, eine Luftring-Nummer, eine Darbietung der Leiterakrobatik, der russische Barren, ein Clown-Duo, eine Nummer am Vertikalseil und natürlich die Jonglagenummern von Mario und Johannes Muntwyler. In diesem Jahr wurde das Programm von den Kanadiern Marie-Josée Gauthier und Sylvain Lafortune, beide tätig an der Nationalen Zirkusschule in Montreal, konzipiert.

CIRCUS MONTI 2017 «Dreambox»
30.8. bis 10.9.17, Winterthur
13. bis 24.9.17, Luzern
27.9. bis 1.10.17, Wettingen
4. bis 8.10.17, Solothurn
11. bis 29.10.17, Bern
1. bis 26.11.17, Zürich
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