Eishockey Länderspiel Schweiz - Kanada 2017
Das Mutterland des Eishockeys: Nirgends wird der Sport so gelebt wie in Kanada.

Im Mutterland des Eishockey ist der Konkurrenzkampf schon im Juniorenalter gross. Dies prägt auch den Spielstil des nächsten Testspielgegners der Schweiz.

Am 28. Februar 2010 bebt in Vancouver die Erde. NHL-Superstar Sidney Crosby hat Kanada in der Overtime soeben zu Olympia-Gold geschossen – ausgerechnet gegen Erzrivale USA. Ein ganzes Land jubelt. Sagenhafte 80 Prozent beträgt die Einschaltquote am TV. Für die kommenden Tage wird es in den Medien nur ein Thema geben: der Olympiasieg der Kanadier im Eishockey.

«Eishockey ist in der DNA der Kanadier. Wir lieben diesen Sport», sagt Jan Alston,
ehemaliger kanadischer Eishockeyprofi und heutiger Sportdirektor des HC
Lausanne. Die heraus­ragende Bedeutung des Hockeys geht in Kanada sogar so
weit, dass auf der Fünf-Dollar-Note Eishockey ­spielende Kinder abgebildet sind.
Oder sich Premierminister Justin ­Trudeau offen im Shirt seiner heiss geliebten
Montréal Canadiens zeigt.

Abgehärtet von der kanadischen Kälte

«Schon die Kleinsten sind hockeyverrückt», so der in Granby, Québec, geborene
Alston. «Als Junge kommst du von der Schule heim, machst so schnell wie möglich
deine Hausaufgaben, packst Schlittschuhe und Hockeystock ein und gehst raus, um
Eishockey zu spielen.» Poetisch formuliert es Bruce Kidd, ehemaliger Olym­pionike und
Sporthistoriker an der University of Toronto: «In einem Land, das geprägt ist von
unentrinnbarer und unwirtlicher Kälte, ist Eishockey der Tanz des Lebens, eine
Bestätigung, dass wir trotz der Todeskälte noch am Leben sind.» Die Kälte hat aber
auch einen Vorteil. Es braucht nicht viel mehr als Wasser, und es kann auf jedem
­Hinterhof Eishockey gespielt werden. In der Schweiz ist dies in aller Regel nur in
den Bergregionen möglich, dem am wenigsten besiedelten Teil des Landes.
Die jüngsten Hockeyaner vereint in «The Great White North», wo selbst in den
Juniorenligen Zuschauerschnitte von bis 10 000 Fans keine Seltenheit sind, ein
Traum: die NHL. Und natürlich die kanadische Nationalmannschaft. Doch der Weg
dorthin ist schwer, die Konkurrenz riesig. 442 163 lizenzierte Junioren gibt es Stand
2017. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 14 382.

Kanadier im Eishockey
Einsatz, Wille, Durchschlagskraft: Die Kanadier gehen dorthin, wo’s wehtut. Hier Kanadas Brayden Schenn (M.) gegen Nati-Stürmer Gaëtan Haas(r.) und Goalie Leonardo Genoni.

Damit lässt sich auch der kanadische Spielstil erklären, sagt Jan Alston. «Die
Kanadier zeichnet aus, dass sie viel arbeiten, simpel spielen, immer den Weg zum
Tor suchen.» Anders kommt man in seiner Karriere nicht vorwärts, anders kann man
sich nicht durchsetzen. Doch das kanadische Eishockey nur auf seinen Kampf und
seine Gradlinigkeit zu reduzieren, wäre verfehlt. Auch technisch hat der 26-fache
Weltmeister viel drauf. Wer sich an die Gastspiele von John Tavares, Rick Nash oder Joe Thornton während des NHL-Lockouts 2004/2005 auf Schweizer Eis erinnert, wird dem nur zustimmen können. Nun trifft das grosse Kanada auf die Schweiz. Erst im Test am 8. November in Biel. Dann im Startspiel der Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang, Südkorea. Das kanadische Olympia- Team – genauso wie jenes der
Schweiz – wird ohne NHL-Spieler auskommen müssen, weil die Liga seine Spieler
nicht freigibt. Favorit wird das Mutterland des Eishockeys gleichwohl sein – gegen
die Schweiz und im Kampf um die Goldmedaille.

EISHOCKEY LÄNDERSPIEL SCHWEIZ – KANADA
Mi 8. November 17, Tissot Arena Biel/Bienne
TICKETS

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