Die Lochis in Zürich 2016

Roman und Heiko Lochmann sind erst 17 Jahre alt und zählen schon zu den 900 erfolgreichsten Youtubern der Welt. Doch nicht nur auf dem Videoportal begeistern sie ihre Fans, sondern auch mit ihrer eigenen Musik und auf der eigenen Konzerttournee.

Die Zeiten ändern sich: Früher brauchte man grosses Glück und «Vitamin B», um Bekanntheit zu erlangen. Das Glück ist heute zwar noch immer von Vorteil, doch mit Youtube kann jeder sein Können unter Beweis stellen und eine Fangemeinde aufbauen. Bestes Beispiel: Die 17-jährigen Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann – besser bekannt unter dem Namen «Die Lochis».

Im August 2011 eröffneten die beiden ihren Youtubekanal und haben als erstes Video eine Anleitung zum Milcheinschenken (!) hochgeladen. Populär wurden die Lochis aber durch ihre Songparodien, in denen sie die Texte berühmter Songs abänderten und neu einsangen.

Musik war bei den Lochis schon immer ein grosses Thema

«Wir haben schon vor Youtube Musik gemacht», sagt Roman Lochmann. Dies ging so weit, dass die beiden schon früh eine eigene Band hatten und Roman im Alter von zehn Jahren den «Kiddy Contest» des ORF gewann. Und auch im Youtube-Kanal konnten die beiden vor allem durch ihre Musikparodien ihr musikalisches Talent unter Beweis stellen. Noch heute ist die Lochi-Parodie des will.i.am- und Britney-Spears-Songs «Scream & Shout» das zweitmeistgeklickte Video auf ihrem Kanal, ihr eigener Song «Durchgehend Online» steht auf Platz 1.

Heute zählt der Kanal der Lochis über 2,1 Millionen Abonnenten und über 650 Millionen Video-Aufrufe. Diese Bekanntheit hat natürlich auch einen Einfluss auf das Privatleben der 17-Jährigen: «Momentan ist es total verrückt. Wir sind jeden Tag in einer anderen Stadt, unser Schlafrhythmus ist total durcheinander. Sehr aufregend!», sagt Heiko Lochmann. «Darum müssen wir beispielsweise gewisse Arbeiten sogar abgeben, Videos können wir nicht immer selbst schneiden.» Das Produzieren für Youtube ist mittlerweile nämlich so professionalisiert, dass die grossen Namen bei diversen Agenturen unter Vertrag stehen, die Lochis bei der Firma Mediakraft in München.

Jeder macht das, was er am besten kann

Wer bei den Lochis welche Arbeit übernimmt, ist nicht fix geregelt: «Das schauen wir immer flexibel an. Je nachdem, wer grad Zeit hat und wo die Stärken sind», sagt Roman. «Ich bin zum Beispiel besser, was das Grafische betrifft.» Und wenn einer der beiden mal krank ist, ist das kein Problem: «Das ist ja das Schöne, dass dann der Zwillingsbruder da ist und übernehmen kann.»

Doch die Lochis wollen weit mehr als nur Youtuber sein. Nach ihrem letztjährigen Film («Bruder vor Luder») folgte in diesem Jahr ihr Debütalbum «#Zwilling». «Das war schon immer ein Traum von uns», sagt Heiko. Fürs Album sind die beiden extra zwei Wochen lang nach Kalifornien gefahren, um dort Inspiration zu sammeln. «Danach haben wir die Songs zusammen mit unseren Produzenten geschrieben.» Wie lange sie effektiv für das Album gebraucht haben, ist schwierig zu sagen: «Die Inspiration kommt aus unseren 17 Jahren Lebenserfahrung», sagt Roman. «Doch das gesamte Projekt, von der Planung bis zur Auslieferung, dauerte etwa ein Jahr.»

«Wie das Publikum aufgeteilt ist? 70 Prozent Mädels, 30 Prozent Jungs.»

«Und wir freuen uns, unsere Fans wieder zu sehen. Die gehen immer total ab. Es ist schön zu sehen, wie uns Leute feiern, für das, was wir tun.»

Zum Album folgt die grosse Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz: «Das wird toll! Wir sind mit einer Live-Band am Start und haben eine komplett neue Bühne», sagt Roman strahlend. «Und wir freuen uns, unsere Fans wieder zu sehen. Die gehen immer total ab. Es ist schön zu sehen, wie uns Leute feiern, für das, was wir tun.» Im Publikum eines Lochis-Konzerts sind nach ihren Angaben – so wie man es annimmt – mehrheitlich Jugendliche anzutreffen: «70 Prozent Mädels, 30 Prozent Jungs.» Vereinzelt gibt es auch Ausnahmen: «Es kommen einfach alle, die uns feiern», sagt Roman.

So auch in diesem Sommer, als die Lochis eine Woche lang auf Selfie-Tournee gingen. Zur Albumveröffentlichung reisten die beiden durch das deutschsprachige Gebiet und gaben einen kurzen Auftritt, machten Selfies mit den Fans und verteilten Autogramme. Die österreichische Newsseite Heute.at titelte «Teenies stürmen Lochis-Show», als unerwartet 5’000 Personen zur Autogrammstunde der Zwillinge kamen. Auch in der Schweiz waren sie im August zu Besuch: «Oft ist es bei den Schweizer Fans am Anfang etwas schwerer, sie zu begeistern, aber wenn sie dann mal überzeugt sind, gehen sie richtig ab!», sagt Roman. Und was sie an der Schweiz am meisten lieben? Das Essen! «Birchermüesli, Raclette und Rösti sind total lecker!»

Doch der Ruhm hat auch seine Schattenseiten: «Unsere Privatsphäre ist momentan schon sehr eingeschränkt», gesteht Heiko. «Wenn wir also einmal auf den Zug rennen müssen, schützen wir uns mit Sonnenbrille und Kapuze, damit uns die Leute nicht erkennen.» Das nehmen sie in Kauf, das sei ja auch ein Nebeneffekt des Showbusiness. «Grundsätzlich nehmen wir uns gerne Zeit für unsere Fans und lernen diese auch gern kennen.»

Nächstes Jahr folgt der Führerschein

Entspannen können die Lochis in ihrer Heimat. Sie wohnen in einem kleinen Dorf in Hessen. Zeit für Partys bleibt da nicht, sagt Roman: «Das wäre ja dumm, wenn wir schon erschöpft von der Arbeit sind und dann noch feiern gehen.» Trotzdem gibts nächstes Jahr Grund zum Anstossen: Die Zwillinge werden am 13. Mai volljährig. «Vielleicht geben wir ein Konzert, so wie das Drake beispielsweise macht», sagt Heiko. Eins wissen sie schon jetzt: «Wir möchten als Allererstes den Führerschein machen. Dann sind wir auch ein bisschen selbständiger.»

DIE LOCHIS
17.12.16, Volkshaus Zürich
TICKETS

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