Die Anfänge: 1992 startete DJ Bobo mit «Somebody Dance With Me» seine Karriere.
Die Anfänge: 1992 startete DJ Bobo mit «Somebody Dance With Me» seine Karriere.

Schon ein Vierteljahrhundert steht der Schweizer Hitmacher DJ Bobo auf der Bühne. Noch heute singt sein Publikum das komplette Repertoire mit. Wir waren bei der Weltpremiere seiner neuen «Mystorial»-Tour im Europa-Park in Rust (D) dabei.

Wir schreiben den 13. Januar 2017. Der beliebte Freizeitpark öffnete extra eine Woche nach seiner Wintersaison die Tore für die drei Konzerte des Schweizers, schliesslich ist es nicht nur dessen Tourpremiere, sondern auch die Eröffnunag der neu gebauten Europapark-Arena.

Schon seit 1992 steht DJ Bobo auf der Bühne, doch eine reine Jubiläumstournee soll das nicht sein, sagt René Baumann, wie DJ Bobo mit bürgerlichem Namen heisst, in einer Pressekonferenz. «Das klingt immer so nach Aufhören», meint er.

Zeitreise: DJ Bobo besucht bei «Mystorial» auch das Paris des 19. Jahrhunderts.
Zeitreise: DJ Bobo besucht bei «Mystorial» auch das Paris des 19. Jahrhunderts.

Die Show ist aber trotzdem eine Zeitreise: Den Mittelpunkt bildet eine Zeitmaschine. DJ Bobo und seine 35 Mitwirkenden auf der Bühne reisen in die Steinzeit, zu den alten Ägyptern und in die Zukunft. Das Publikum klatscht, singt und tanzt zu den Songs, die früher am Radio rauf und runter gespielt wurden. Die Show endet in den Neunzigerjahren, es kommt Retro-Feeling auf.

Am Morgen nach der ersten Show treffen wir DJ Bobo zum Interview. Punkt 10 Uhr ist das Treffen angesetzt, zuerst müsse sich DJ Bobo der Videoanalyse des Vortags widmen, damit Änderungen für das Konzert am Abend schnellstmöglich umgesetzt werden können. Rund zwei Stunden später trifft er im Interviewraum ein.

event.: Gratulation zur gestrigen Tourpremiere! Wie zufrieden bist du?
DJ Bobo: Es geht so. Dramaturgisch hat noch nicht so viel gestimmt, aber das ist normal. Dafür haben wir nun eine Videoanalyse gemacht, um das zu verbessern.

Die «Mystorial»-Tournee ist auch deine Jubiläumstournee. Was ist das Konzept hinter «Mystorial»?
Es ist eine Zeitreise durch die Geschichte der Menschheit. Von der Steinzeit in die Zukunft. Die Schwierigkeit ist, dass wir immer gleichzeitig die Kostüme und das Bühnensetting wechseln müssen. Gespielt werden etwa 8 neue Titel und 22 ältere. Das Verhältnis ist bei meinen Tourneen aber immer etwa gleich.

Was ist dir wichtig bei der Konzeption einer Tournee?
Das Gesamterlebnis. Ich würde das, was ich mache, nicht als Konzert bezeichnen. Es ist eine Mischung aus Entertainment-Abend, imposanten Bildern, intimen Momenten und alten Hits mit neuen Einflüssen. Wichtig ist mir sowieso, immer neue Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel neue Technologien.

Besprechung mit «DSDS»-Gewinnerin Aneta Sablik: DJ Bobo regelt bei den Shows alles selbst.
Besprechung mit «DSDS»-Gewinnerin Aneta Sablik: DJ Bobo regelt bei den Shows alles selbst.

Die «DSDS»-Gewinnerin Aneta Sablik und «DSDS»-Teilnehmer Jesse Ritch begleiten dich auf Tournee und unterstützen den Gesang. Wann ist dieses Konzept entstanden?
Das hatten wir schon immer. Ganz früher waren die Backstreet Boys oder N’Sync mit Justin Timberlake dabei. Dass die Acts in die Show integriert werden, hat sich in den letzten zehn Jahren ergeben. Es macht Spass, mit neuen und jungen Künstlern zusammenzuarbeiten.

Die Neunziger sind im Trend. Spürst du das bei deinem Schaffen?
Nicht massiv. Ich merke aber, dass die junge Generation diese Zeit als lustige, farbige Welt entdeckt. Und dieser Generation gefallen auch meine Songs aus den Neunzigern.

Wie sind deine Kinder zu deiner Musik eingestellt?
Sehr offen, ich spiele ihnen auch immer die neue Musik vor. Mein 14-jähriger Sohn Jamiro hört eher Tupac, Twenty One Pilots und Eminem, meine 10-jährige Tochter Kayley hört Justin Bieber. Sie schauen meine Shows an und geben mir Feedback.

Gibt es etwas, was du immer bei deiner Tournee dabei haben musst?
Nein. Ich habe keinerlei Rituale und auch keine Glücksbringer.

25 Jahre DJ Bobo: Was war der schönste Moment?
Da gibt es viele. Ich fand die Konzerte in aussergewöhnlichen Regionen immer toll, beispielsweise in der Mongolei oder mein erstes Konzert in Südamerika. Man war zwar selber noch nie da, aber die Musik ist schon vorher angekommen – und die Leute können alles mitsingen.

Showman: Auch nach 25 Jahren steht DJ Bobo regelmässig auf der Bühne.
Showman: Auch nach 25 Jahren steht DJ Bobo regelmässig auf der Bühne.

Hast du nach 25 Jahren noch Lampenfieber?
Ja, schon. Gestern bei der Premiere dachte ich, ich sei locker. Doch dann hatte ich plötzlich eine zittrige Stimme beim Singen und bei den Moderationen. Auch meine Körpersprache war komisch. Offenbar werde ich das Lampenfieber nie ganz los.

Liegt darin auch der Reiz?
Sicherlich bin ich etwas entspannter geworden. Ich gehe nicht mit einer Angst auf die Bühne und hoffe, dass es eine gute Show wird. Ich denke eher: «Ich habe euch etwas Tolles mitgebracht.

Wie gehst du mit Pannen um?
Sehr entspannt, gestern funktionierte beispielsweise der Lift nicht. Das gehört einfach dazu, wenn rund hundert Leute zusammen an etwas arbeiten. Einmal bin ich jedoch bei einem Flug an der Decke hängen geblieben, da musste mich die Feuerwehr von der Decke holen, und das Publikum hatte grossen Spass daran. Zum Glück gab es damals noch keine Handykameras.

Du arbeitest ja auch mit Andrea Berg zusammen.
Genau. Ich bin ihr kreativer Leiter, wir haben auch einige Songs auf ihrem Album zusammen gemacht. Es ist eine sehr kreative Arbeit, ich bin von der Entwicklung bis zur Ausführung ihrer Shows dabei. Das macht viel Spass.

Wie oft bist du denn noch zu Hause?
Schon sehr oft. Ich war ja jetzt zweieinhalb Jahre nicht unterwegs. Darum bin ich eigentlich schon viel zu Hause.

2017 markiert auch zehn Jahre seit deiner Teilnahme am Eurovision Song Contest. Wie schaust du heute auf diese Zeit zurück?
Es war mir eine Lehre. Ich wollte mit dem Kopf durch die Wand gehen, obwohl ich eigentlich von Anfang an wusste, dass diese Nummer schiefgehen wird. Ich habe mich damals sehr geschämt, als ich nicht ins Finale eingezogen bin.

Würdest du, rückwirkend gesehen, trotzdem noch mal teilnehmen?
Nein, niemals. Ich finde den Event zwar toll, aber die Voraussetzungen waren von mir nicht gut gewählt. Das war mein Fehler.

Die Tourpremiere fand im Europapark in Rust statt. Wie tief geht diese Zusammenarbeit?
Sehr tief. «Mystorial» haben wir zusammen entwickelt, die Show wird nach der Tournee auch hier im Park weiterleben, einfach ohne mich. In welcher Form das genau sein wird, kann ich aber noch nicht sagen.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Ich sehe das entspannt und habe noch keine Pläne. Was kommt, das kommt. Solange ich kreativ sein kann, bin ich glücklich – sei es mit Inszenierungen oder Shows. Aber wie und wo, das weiss ich nicht.

DJ BOBO – MYSTORIAL
3.6.17 Postfinance-Arena Bern
4.6.17 Hallenstadion Zürich
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