Duff McKagan (55) kommt mit seinem neuen Americana-Country-Rock-Album «Tenderness» am 6. September nach Zürich. Der zweifache Papi verrät, warum er Zürich liebt, wer ihn antreibt und warum er seine Wäsche auf Tour selber wäscht – er nennt es «Punk-Rock-Laundry».

Zweieinhalb Jahre ist er nun mit Guns N’ Roses unterwegs, auf seiner Akustik-Gitarre sind
während dieser Zeit die neuen Songs zu «Tenderness» entstanden: «Ich wollte nicht explizit ein Americana-Album schreiben, es ist einfach passiert.» Momentan probt der Washingtoner die neuen Songs. Lieder, die gut zu einer kleinen, intimen Location passen: «Ich übe gerade, die Stücke so zu spielen, dass sie diesem Rahmen gerecht werden.»

event.: Bald sind Sie mit «Tenderness» in Zürich anzutreffen. Mögen Sie diese Stadt?
Duff McKagan: Ja, sehr! Ich liebe es, mit dem Zug am Hauptbahnhof
anzukommen und mit den Trams rumzufahren.

Sie fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Ich hätte Sie eher in einem Ferrari erwartet.
Ich? Bin noch nie in einem gefahren. Da verlierst du nur Zeit bei der Parkplatzsuche.

Ausser dem Tram: Was mögen Sie an Zürich besonders?
All diese Cafés draussen, den Fluss, den See, den Lindenhof. Es gibt Städte, die magst du auf Anhieb. Zürich ist für mich so eine Stadt.

Sie spielen im Dynamo – eine wirklich kleine Location im Vergleich zu den XXL-Stadien, die Sie mit Guns N’ Roses bespielen.
Mir spielt es keine Rolle, wie gross ein Club ist, solange Leute kommen. Ich weiss noch nicht, wie ich «Tenderness» für einen kleinen Raum adaptieren könnte. Es ist ja kein lauter Rock. Ich kann zwar solche Musik schreiben, muss jetzt aber noch lernen, diese passend zu performen.

Für dieses Album haben Sie zusammen mit Shooter Jennings gearbeitet.
Ja, er hat mich musikalisch und menschlich inspiriert. Er ist ein positiv getriebener Mensch, er schläft oft nur vier Stunden die Nacht.

Auf «Tenderness» arbeiten Sie erneut mit Ihrem Bruder Matt zusammen. Er spielt Posaune. Stammen Sie aus einer Künstlerfamilie?
Ja, meine Frau Susan zum Beispiel war ein Model. Jetzt hat sie den Roman «The Velvet Rose» geschrieben, an dem sie neun Jahre arbeitete. Es ist Wahnsinn, einen Roman zu schreiben, das Beste, was du tun kannst. Es ist, als hättest du fünf Konzeptalben geschrieben. Und auch meine Töchter haben künstlerische Pfade eingeschlagen. Grace ist Frontfrau der Pink Slips, ich liebe ihre Band. Meine jüngste, Mae, ist Designerin, sie macht so Vivianne-Westwood-mässige Mode.

Sie proben gerade für die bevorstehende Tour. Was haben Sie immer
im Koffer mit dabei?
Ein paar Hosen, T-Shirts, mein Rasier- Set, Strassenschuhe, Sportschuhe und Handschuhe für Fitness. Ich mag es, mit wenig Gepäck zu reisen. Seit 1979 wasche ich meine Kleider einfach mit Shampoo im Hotel. Es ist sauberer als mit der Waschmaschine. Ich nenne es Punk-Rock-Laundry (lacht).

Bodenständig: Wenn Guns N’ Roses-Bassist Duff McKagan nach Zürich kommt, fährt er mit dem Tram.

Sport scheint für Sie wichtig zu sein?
Ja, treibe ich immer. Mit Guns N’ Roses auf der grossen Bühne zu stehen, ist eine athletische Sache, da rennst du viel rum. Ich trainiere für jeden Auftritt, mal im Hotel-Fitnessraum, mal mit Hot-Yoga zum Stretchen.

Sie sind ein etablierter Künstler, haben an der Börse ein gutes Händchen und eine glückliche Familie. Was wünschen Sie sich noch?
Was ich mir wünsche? Puh, wirklich gute Frage (überlegt kurz). Meine Mädels sind erwachsen (18 und 21), haben einen guten Weg eingeschlagen. Ihre Träume sind meine geworden. Ich habe keine weiteren Wünsche – und materialistische Sachen haben mich noch nie interessiert. Moment, da ist doch noch was! Meine Frau wollte schon immer auf die Seychellen. Da bringe ich sie eines Tages hin.

Duff McKagan
06.09.2019, Dynamo Zürich
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