Seitdem die schottische Sängerin Emeli Sandé (30) ihr Heimatland Sambia besucht hat, fühlt sie sich komplett. Warum Emeli Sandé ihre neue EP «Kingdom Coming» ihren Eltern gewidmet hat und wieso das Schweizer Publikum besonders auffällt, verriet sie uns im Gespräch.

Du bist der Stargast von Art on Ice 2018. Wie hast du auf die Anfrage reagiert?
Ich war aufgeregt und fühlte mich natürlich sehr geehrt. Es ist ein grosses Privileg und eine hervorragende Gelegenheit, meine Musik auf einer anderen Ebene präsentieren zu dürfen. Mit so vielen talentierten und kreativen Menschen zusammenzuarbeiten wird sicher sehr aufregend.

Lenken dich die talentierten Eiskunstläufer nicht von deiner eigenen Performance ab?
Ich hoffe nicht. Denke aber, dass wir während der Proben eine gute Synergie herstellen können, um schlussendlich vereint aufzutreten.

Was für eine Beziehung hast du zum Eiskunstlauf?
Es ist unglaublich. Ich stand schon bei der Gold Night – die Nacht der grossen Verkündung – auf der Eisfläche. Das hat sehr viel Spass gemacht. Als Nächstes will ich lernen, wie man auf dem Eis rückwärts läuft.

Du reist auch sonst oft in die Schweiz. Ist das Zufall?
Ich liebe es, in der Schweiz aufzutreten. Ich fühle mich immer sehr willkommen hier.

Schönstes Erlebnis in der Schweiz?
Das ist schwierig. Es sind alles wunderschöne Erinnerungen. Ich mag die Landschaft hier. Die Flüsse und Seen erinnern mich an Schottland. Ausserdem habe ich wirklich das Gefühl, dass die Zuschauer Musikliebhaber sind.

Unterscheidet sich das Schweizer Publikum von anderen?
Man merkt, dass die Schweizer aufmerksam sind und den Künstlern und deren Musik einen grossen Respekt entgegenbringen. Das hat man natürlich auch in anderen Ländern, aber in der Schweiz fällt mir das besonders auf.

Erst kürzlich hast du deine neue EP «Kingdom Coming» veröffentlicht. Bist das du mit deinem Vater auf dem Cover?
Genau. Auf dem Bild bin ich etwa fünf Jahre alt. Da sind wir gerade erst nach Schottland gezogen. Es ist eines meiner Lieblingsbilder.

Wieso hast du gerade dieses Bild ausgewählt?
Im letzten und gleichnamigen Track «Kingdom Coming» geht es um meine Eltern. Um den Respekt, den ich für sie habe und für alles, was sie gemacht haben. Sie hatten viele Schwierigkeiten.

Dann ist «Kingdom Coming» deinen Eltern gewidmet?
Ja. Ich habe mich von ihrer Geschichte inspirieren lassen. Im Song «Soon» geht es um meine Schwester, mich und unsere Kindheit. Es ist eine sehr persönliche EP.

 «Ich mag Songs, die mit echten Gefühlen gespielt werden. Es soll unvergesslich und erfrischend sein.»

Wie schreibst du Songs?
Wenn ich alleine zu Hause bin, setze ich mich einfach ans Klavier. Irgendwie kommt es zusammen. Ich höre einen Akkord und fange an, dazu zu singen. Die Melodie kommt generell zuerst – und der Vers am Schluss.

Was macht einen Song erfolgreich?
Die Melodie ist der Anfang eines guten Songs. Ich mag es, wenn es unvergesslich und gleichzeitig auch erfrischend ist.  Es soll unüblich, aber trotzdem ein Ohrwurm sein. Natürlich spielen auch Emotionen eine wichtige Rolle. Man soll spüren, dass der Song mit echten Gefühlen gespielt wird.

Was hältst du von der Mainstream-Musik?
Als ich noch jünger war, habe ich viel Britney Spears und Christina Aguilera gehört. Popmusik ist sehr energetisch und lustig. Es ist schön zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt und was es für eine Vielfalt an Künstlern gibt. Ich wünschte mir aber manchmal, dass die Lyrics etwas mehr hergäben. Über all die Dinge, die auf der Welt geschehen, kann man in den Liedern gut reflektieren.

Genau das tust du ja.
Absolut. Als ich klein war, hab ich viel Musik gehört und habe mich durch die Songtexte weniger alleine und vor allem verstanden gefühlt. Wenn ich Lyrics schreibe, versuche ich so ehrlich wie möglich zu sein. Ich versuche Gedanken in Worte umzuwandeln, wie es bisher noch niemand getan hat. Das ist die grösste Herausforderung für mich. Wenn ich Liebeslieder schreibe, will ich, dass es etwas ist, das noch nicht gesagt wurde und nicht nach einem Klischee klingt. Ich frage mich jeweils: «Wie kann ich einen Song schreiben, der so klingt, wie ich liebe?»

Bestimmt ist es nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden.
Das stimmt. Es ist sehr schwer, die jeweilige Gefühlslage treffend auszudrücken. Ich versuche jeweils, Kitsch von durchdachten Aussagen abzugrenzen.

Schreibst du deine Songs eher, wenn du in einem neutralen oder einem emotional aufgeladenen Zustand bist?
Kommt drauf an. In einer labilen Gefühlslage kann ich meinen Emotionen irgendwie freien Lauf lassen, weil ich das Bedürfnis habe, es rauszulassen. Dadurch werden die Lieder meistens auch leidenschaftlicher. Als ich zum Beispiel «Hurts» geschrieben habe, war ich sehr wütend und musste diese Wut herauslassen. Wenn man jedoch eine emotionale Balance hat, kann man einen Schritt zurückgehen und die Emotionen von einer anderen Perspektive betrachten.
So kann man sich überlegen, wen man damit ansprechen will und auf welche Art und Weise.

Als du sieben Jahre alt warst, hast du den Song «Yesterday Is Tomorrow» geschrieben. Wirst du dieses Lied jemals live singen?
Ich kann mich nicht mehr an alle Akkorde erinnern. Ich würde gerne mein Buch wieder finden und den Song neu schreiben. Vielleicht werde ich ihn irgendwann auf einer intimen Tour singen.

Oder vielleicht bei Art On Ice?
Ja. Das wäre cool!

«Als Nächstes will ich lernen, wie man auf dem Eis rückwärts läuft.»

Kannst du beim Musikhören von anderen Künstlern relaxen?
Manchmal schon. Aber es ist sehr anstrengend. Wenn ich Songtexte höre, denke ich mir oft, dass ich gewisse Dinge anders gemacht hätte. Das nimmt das Vergnügen vom Musikhören weg. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte wieder als ein Fan Songs hören und den Prozess der Musikproduktion vergessen.

Zu Beginn deiner Karriere hast du nur Songs geschrieben. Was hat dich dazu bewogen, doch selber zu singen und aufzutreten?
Ich habe schon seit meiner Kindheit gerne gesungen. Wenn man einen Song schreibt, weiss man manchmal nur selber, wie er aufgeführt werden soll. Manche Songs wie zum Beispiel «Clown» wollte ich unbedingt selber singen, da es echt und authentisch ist. Egal, ob erfolgreich oder nicht.

Du hast Sambia, das Heimatland deines Vaters, besucht. Wie war das für dich?
Es war unglaublich und hat mir geholfen, mich selber zu verstehen. Es war schön, in Schottland aufzuwachsen. Zu dieser einen Hälfte von mir hatte ich bis dahin keinen Bezug zu Sambia. Natürlich hatte ich immer meinen Vater in meiner Nähe, ich habe aber noch nie meine Grossmutter, die Mutter meines Vaters oder meine Cousins kennengelernt. Dorthin zu gehen war wie eine Heimkehr für mich. Ich habe mich plötzlich komplett gefühlt. Dort sind viele Musiker, und das hat für mich absolut Sinn ergeben. Nur schon in Afrika zu sein – ich war noch nie an solch einem Ort. Es war sehr spirituell; ein ergreifendes Erlebnis.

Bereust du es, dass du dein Medizinstudium abgebrochen hast?
Nein. Manchmal vermisse ich aber das intensive Lernen und die Herausforderung an mich selber. Meine Passion für die Medizin hat nie den Level meiner Passion für die Musik erreicht. Ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, Musik zu machen.

Könntest du dich selber verarzten / diagnostizieren?
Das wäre cool! Ich wünschte, ich würde mich an mehr erinnern. Ich bewundere meine Freunde, die jetzt Ärzte sind, für die harte Arbeit, die sie in ihren Beruf gesteckt haben. Ihre Passion ist inspirierend.

Bist du jeweils nervös vor deinen Auftritten?
Ab und zu. Ich will, dass die Auftritte super sind, dass meine Stimme perfekt funktioniert und dass alles fantastisch abläuft. Darum bin ich manchmal etwas nervös – aber nicht so wie früher. Ich bin viel entspannter.

Art on Ice 2018: Eiskunstlauf, Musik und mehr

Schon zum 16. Mal wird der Publikumsliebling Stéphane Lambiel am Art On Ice leidenschaftlich übers gefrorene Wasser laufen.

Neben Emeli Sandé wird auch die Schweizer Band Pegasus mit Hits wie «Get Over You» die Kufen von Evgeni Plushenko zum Fahren bringen.

Die Geschichte des Jahrhundert-Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi dient als Inspirationsquelle fürs Art On Ice 2018. Als Bühnenbilder werden Werke von Wolfgang Beltracchi dienen, womit sich das Art On Ice 2018 neben dem Eiskunstlauf und der Musik auch als Ausstellung der Malerei aus verschiedensten Epochen zeigt.

Der erst 15-jährigen Laura Bretan aus Chicago wird nachgesagt, dass sie eine sogar noch erfolgreichere Sopranistin werde als Maria Callas. Opernstar des 20. Jahrhunderts.

Das sind nur einige von vielen Attraktionen, die das Art On Ice 2018 für die Zuschauer bereithält.

EMELI SANDÉ – ART ON ICE
1.3. bis 4.3.18, Hallenstadion Zürich
6.3. und 7.3.18, Patinoire de Malley 2.0 Prilly
Fr 9.3.18, Vaillant Arena Davos
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