Ezio Bosso

Da spürt man die Leidenschaft: Der italienische Pianist Ezio Bosso blendet bei seinem Tastenspiel alles andere aus.

Seit Jahrzehnten macht Ezio Bosso (45) Musik – erst spielte er Bass in einer Ska-Band, dann wechselte er in die Welt der Klassik. Dort war er als Solist unterwegs, als Mitglied eines Kammerensembles und oft als Dirigent. Er spielte in den bekanntesten Häusern der Welt und trat mit Stars wie Violinist Gidon Kremer auf. Dann komponierte er für Tanzchoreografien und schrieb Filmmusik.

Ende 2015 tauchte Ezio Bosso plötzlich in den iTunes-Charts auf. Er platzierte sich mit dem Album «The 12th Room» weit oben. Ein Pianist zwischen Coldplay und Adele. Auch live feiert er seither Erfolge; in seiner Heimat Italien sind seine Konzerte im Nu ausverkauft. Denn so leidenschaftlich wie Bosso spielt kein anderer Klavier.

«Vielleicht träume ich ja nur», sagt er und lacht. Das Telefoninterview ist zwar erst wenige Minuten alt, doch er hat schon mehrmals wiederholt, wie gesegnet er sich fühle. «Mache ich Musik, habe ich ein Gefühl der Freiheit.» In den Worten schwingt hörbar die Kraft mit, die er aus seiner Leidenschaft gewinnt. Am Piano sprenge er die Grenzen seiner Welt. «Ich diene der Musik, werde von Musik gespielt.»

Manchmal möge er aber Komponisten nicht, gesteht er. «Sie machen Dinge schwer für mich.» Was ihn nicht davon abhält, sie trotzdem mit Bravour zu spielen. Er selbst sei kein Komponist, sondern ein Schriftsteller der Musik. Was seine eigenen Werke betrifft, so ist Bosso kein typischer klassischer Interpret, seine Musik ist ein seltener Mix aus Avantgarde und populären Stilrichtungen der Gegenwart.

Eine Lebensreise durch zwölf Räume

Auf seinem Erfolgsalbum «The 12th Room» geht es um die Erkundung von Räumen. Denn Bosso sieht das Leben nicht als Weg von A nach B, eher glaubt er daran, dass jeder im Leben zwölf Räume durchschreitet. Das bedeutet: Jeder davon ist ein innerer Ort, eine Art Geisteszustand, kein äusserer Platz. Sobald der zwölfte Raum erreicht ist, kann man zurückgehen und neu beginnen.

Eine Krankheit macht Bosso zeitlebens das Gehen und Sprechen schwer. Doch sobald er die Tasten des Klaviers berührt, ist das ausgeblendet. Sein Auftritt wirkt so noch eindrücklicher. Er äussert sich zu seinen Handicaps bisher nur knapp: «Ich bin nicht krank, aber ich lebe mit einer Krankheit.»

Der Musiker sucht keine Anerkennung als tragischer Held, er will kein Mitleid empfangen, sondern Begeisterung verbreiten. «Ich gebe», sagt er, «für die Musik und die Fans mein Bestes.»

EZIO BOSSO
30. März 2017, KKL Luzern
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