Dr. Renz (alias Martin Vandreier) von der Hamburger Hip-Hop-Combo Fettes Brot über ihr neues Album «Liebesgeschichten», ihr Bandritual und warum sie nicht Boris and the Callboys heissen.

event.: 27 Jahre gibt es euch schon, was ist euer Rezept für eine glückliche Bandbeziehung?
Dr. Renz: Was genau der Trick ist, hat sicher mit unserer Freundschaft zu tun. Ich habe die anderen beiden in mein Herz geschlossen. Man muss aber auch wissen, wann man sich Platz geben muss. So eine gemeinsame Banderfahrung schafft ganz viele unfassbar aufregende und energiegeladene Momente.

Zum Beispiel?
Wenn man auf der Bühne von Tausenden von Menschen bejubelt wird und wir danach wieder in einen schnöderen Alltag kommen, kann es sein, dass man mal genervt ist voneinander. Das muss man aushalten können. Dann muss man spüren, wenn man wieder bereit ist, aufeinander zuzugehen.

«Ich habe die anderen beiden in mein Herz geschlossen. Man muss aber auch wissen, wann man sich Platz geben muss.»

«Lovestory» heisst euer neues Album. Wieso Liebesgeschichten?
Wir sind in Vollbesetzung in ein kleines Dorfstudio in Norddeutschland gefahren. Dort, in einer alten Schule, haben wir verschiedene Instrumente ausprobiert. Daraus sind 10 bis 15 sehr schöne Demos geworden. Zu Hause haben wir die Stücke unserem innersten Kreis vorgespielt, und dabei kamen jene Lieder besonders gut an, die mit Liebe zu tun haben. Dann hatten wir die Idee, man könnte sich thematisch fokussieren. Kein Konzeptalbum zu machen, aber eine thematische Klammer. Das Album ist unser abwechslungsreichstes, von der Energie und dem Tempo her.

Ihr kommt für zwei Konzerte in die Schweiz. Was darf im Koffer nicht fehlen?
Abschminktücher, das ist wichtig. Damit sich die Haut nach dem Konzert wieder regenerieren kann (lacht). Und ein Taschenmesser mit Flaschenöffner. In der Schweiz gibt es tolle Weine.

Habt ihr vor dem Gig ein Ritual?
Ja, eine Stunde vorher ziehen wir unsere Bühnenklamotten an, essen zusammen. Ich singe mich auf der Toilette ein.

«Vor dem Konzert stellen wir uns in den Kreis, beschwören unsere magischen Kräfte und singen Shantys.»

Du singst dich auf der Toilette ein?
Ja, die anderen machen sich lustig, weil es so lustig klingt, wenn ich mich in der Dusche einsinge. Dann stellen wir uns in einen Kreis und beschwören unsere magischen Kräfte und singen den einen oder anderen Hamburger Shanty, das sind alte Seemannslieder. Auf Plattdeutsch, diese Lieder versteht ausser uns keiner, auch nicht unser dänischer Drummer, der trotzdem mitsingt.

Ihr wolltet euch am Anfang Boris and the Callboys nennen. Stimmt das?
(Lacht laut) Ja, stimmt.

Was für ein Bandname würde heute zu euch passen?
«Die zwei lustigen drei»? Ich habe meinen Kindern kürzlich erzählt, dass ein ganz früher Vorschlag für ein Bandname war «Wirklich verwirrte Menschen». So wollten wir uns nennen, bevor wir über «Fettes Brot» gestolpert sind. Ich bin froh, sind wir bei «Fettes Brot» gelandet. Es ist zwar ein bisschen dumm, aber auch sehr schön.

Fettes Brot
09.08.2019, Stars in Town Schaffhausen, 23.10.2019, Komplex 457 Zürich
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