Giacobbo / Müller 2018
Viktor Giacobbo und Mike Müller im Casinotheater in Winterthur (Foto: Holger Salach)

Viktor Giacobbo und Mike Müller benötigen eine Therapie. Warum Giacobbo noch lange nicht in Pension geht und warum das Publikum in «Giacobbo/Müller in Therapie» zum Seelendoktor wird.

Das Sitzungszimmer des Casinotheaters Winterthur ist der ideale Ort für ein Brainstorming. Vollkommen frei von Büro-Chichi à la Google. Tische, Stühle in Hufeisenform, viel Licht – fertig. Die Rohform von «Giacobbo/Müller in Therapie» steht. Es ist eine weitere Co-Produktion des Dream-Teams der Schweizer Comedyszene mit Giacobbo, Müller und Domenico Blass (Headwriter bei «Giacobbo/Müller»).

event.: Wie entstand die Idee dazu?
Viktor: Als unsere TV-Show noch lief, sagten wir uns: Kann man das nicht auf die Bühne bringen? Das Theater bietet die interessantere Möglichkeit, auf einer anderen Ebene Hintergründe zu zeigen.

Müsst ihr zur Behandlung, weil ihr eure SRF-Show vermisst?
Mike: Es ist eine Therapie im weitesten Sinne. Bei uns spielt Dominique Müller den Therapeuten oder besser den Therapie-Trainer. Er spielt sich selber als Schauspieler und Regisseur und behauptet, er habe eine Zusatzausbildung als Audience Retrieval Trainer. Wir müssen uns nach dem Fernsehen wieder an ein Theaterpublikum gewöhnen. Das Publikum ist Teil der Therapie.

Das öffentliche Kritisieren war Teil des «G/M»-Erfolgs. Fehlt euch das?
Viktor: Wir behaupten, unsere Therapeuten hätten uns das neue Stück empfohlen, damit wir über das selbst gewählte Show-Ende hinwegkommen, uns wieder an andere Gegebenheiten gewöhnen. Auf der Theaterbühne machen solche Behauptungen Spass.

Bereut ihr das Aus eurer Sendung?
Viktor: Nein, keine Minute! Es war richtig, aufzuhören, wir haben sie bis zum Schluss gerne gemacht.

Mike: Ich wollte wieder Projekte fürs Theater realisieren, Viktor plant Filmprojekte. Wir haben das Privileg, dass wir das machen können, was wir gerne tun.

Giacobbo / Müller 2018
Auf der Bühne und auch privat befreundet. Meinungsverschiedenheiten sind selten bei Giacobbo/Müller. (Foto: Holger Salach)

Wieso, wird man beim TV in ein Korsett gesteckt?
Viktor: Wir hatten festgelegt, was wir dürfen. Das war eine Abmachung, die schon bei «Viktors Spätprogramm» galt. Natürlich haben wir immer mit unseren Chefs diskutiert, aber wir konnten am Schluss entscheiden.

Mike: Sie hatten Vertrauen in uns, gewährten uns künstlerische Freiheit und wussten, wenn sie uns zu sehr dreinreden, sagen wir Tschüss. Das war eine Win-win-Situation, wir haben ihnen gute Quoten beschert und sie uns eine Spielwiese.

Viktor: Ein einfaches Rezept, ich habe nie begriffen, warum sie das nicht weiterführen.

Wem sollte das Fernsehen eine Carte blanche gewähren?
Viktor: Unteregger, Elsener, Mutzenbecher, Büsser, Vetter, Patti Basler und anderen. Es gibt tolle Talente, denen muss man dieselbe künstlerische Freiheit geben, wie wir sie hatten. Wenn man ihnen nur sagt, was funktioniert und was nicht, ist schon die ganze Kreativität futsch. Man muss Anfängern auch die Möglichkeit geben zu scheitern – das gilt im Übrigen nicht nur fürs Fernsehen.

Ihr arbeitet momentan am neuen Stück, Mike spielte den «Bestatter». Was machst du sonst noch, Viktor?
Ich arbeite an Filmprojekten. Unter anderem an einem Spiel lm, den ich mit Domenico Blass schreibe, so wie alle meine Filme und auch «G/M in Therapie». Es ist wieder eine innenpolitische Komödie, die auch im Ausland spielt. Ähnlich wie «Ernstfall in Havanna».

Mike, du tourst momentan mit deinem Solostück «Heute Gemeindeversammlung».
Mike: Ja, seit Oktober bin ich damit unterwegs und habe grossen Spass. Ab April bin ich dann auch noch mit dem neuen Stück unterwegs, also ich bin nur noch unterwegs.

Viktor, du bist seit einem Jahr AHV-Empfänger. Schon mal dran gedacht, nur noch Golf zu spielen?
Da schlafen mir schon beim Gedanken die Füsse ein. Das gleichzeitige Ende der Sendung und mein Pensionsalter sind reiner Zufall.

GIACOBBO / MÜLLER
Winterthur, Solothurn, Hochdorf
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