Hazel Brugger
Kabarettistin Hazel Brugger wurde erst als Slam-Poetin bekannt. Erfolgreich ist sie auch als Buchautorin: «Ich bin so hübsch», 2016

Hazel Brugger mischt mit 23 die Comedy-Szene auf. Auch in Deutschland, wo die Schweizerin für die «heute-show» Parteitage stürmt. Wir sprachen mit ihr über Gott, das Leben, den Tod – und über das, was danach passiert.

Du erhältst dieses Jahr den Salzburger Stier und noch zwei weitere Kleinkunstpreise. Freust du dich darüber?
Hazel Brugger: Oh, Kleinkunstpreis ist ein sehr unlustiges Wort! Zu viele Wörter aneinander. Ich glaube, ich kriege im Moment vor allem viele Preise, damit ich auf jeden Fall beschäftigt bin.

Andere Kabarettisten erhalten solche Auszeichnungen erst im fortgeschrittenen Lebensalter. Du aber schon mit 23. Wie kannst du das noch toppen?
Kann ich überhaupt nicht sagen. Wenn mir die letzten Jahre etwas gezeigt haben, dann, dass eine strikte Planung nicht möglich, geschweige denn sehr sinnvoll ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann einmal nicht mehr dasselbe mache wie jetzt.

Sondern?
Etwas Besseres, vielleicht? Also: Schon was wie jetzt, aber «in besser». Ich wünsche mir, dass alles noch schwieriger, präziser und auslaugender wird – für mich, nicht fürs Publikum. Mit einem Mikrofon auf einer Bühne zu stehen, ist ja nicht so schwierig. Ich muss ja nicht tanzen. Aber vielleicht schaffe ich es, noch ein paar meiner Hobbys und Leidenschaften mit in meine Arbeit zu mischen.

«Ich mach das alles als Hobby – und bin entzückt, wenn man mir dafür Geld gibt.» – Hazel Brugger

Welche Leidenschaften sind das?
Mathematik und Naturwissenschaften interessieren mich sehr, zum Beispiel. In der Schule haben sich viele oft darüber beschwert, wie schwer Mathe ist. Aber Mathe ist ja nur genau so schwer, wie sie sein muss. Weil die Welt so kompliziert ist, ist Mathe so schwer, die Mathematik beschreibt einfach das, was ist, auf möglichst trockene Art. Es treffen sich keine bösen Menschen in einem Labor und entwickeln dort etwas, um damit Schüler zu quälen. Ich mag es, wenn man dadurch etwas besseren Zugang zu den Wissenschaften gewinnt.

Hast du Vorbilder?
Ja, ich mag zum Beispiel den Schauspieler Steve Carell. Oder Richard Dawkins.
Richard Dawkins bezeichnet sich selber als «ziemlich militanten Atheisten».

Bis auch du Atheistin?
Ach, zu sagen, man glaube nicht an Gott, finde ich sehr heftig. Wenn so viele Leute an Gott glauben, muss es da ja irgendwas geben. Und wenn er auch nur in den Vorstellungen der Leute existiert.
Fast jeder hat irgendwas, das ihm hilft, über die eigene Sterblichkeit hinwegzukommen. Bei vielen ist das die Religion und ihre Aussicht auf eine Bestimmung nach dem Tod. Ich glaube, dass nach dem Tod alles vorbei ist. Also für den Toten. Für die anderen geht es ja weiter. Das ist sicher auch ein Grund, warum ich mich auf die Bühne stelle. Damit zumindest in den Köpfen der anderen irgendetwas von mir übrig bleibt.

Mit ihrem Programm «Hazel Brugger passiert» rockt sie die Comedy-Bühnen.
Mit ihrem Programm «Hazel Brugger passiert» rockt sie die Comedy-Bühnen.

Was mir auffällt: Das Thema Tod kommt in deinen Shows und Texten aussergewöhnlich oft vor.
Ja, das interessiert mich halt. Ein Thema, das alle genau gleich viel angeht. Denn jeder ist zum Schluss genau gleich tot. Egal ob arm, reich, schwarz, weiss, braun oder violett. Death, the great equalizer. Ich glaube wie gesagt nicht an Wiedergeburt, aber die Natur verliert nichts. Sie bastelt einfach neu zusammen. Ein Abgas ist ja einfach ein uraltes Dinosauriermolekül, neu zusammengesetzt. Wenn wir Erdöl aus der Erde saugen, ist das nichts anderes als ewig lang zerquetschte Materie. Vielleicht ist es der Sinn des Lebens, dass man als Brennstoff wiederkommt. Fünf Zentimeter Stop and Go auf dem Nordring, das möchte ich einmal werden!

Apropos Wandlungen: Bist das auf der Bühne wirklich du selbst oder ist die Hazel Brugger im Scheinwerferlicht eine Kunstfigur?
Wer weiss denn schon, wann er wer genau ist? Beim Zähneputzen bist du jemand anderes als im Business-Meeting, nicht wahr? Welcher von beiden bist du denn wirklicher? Auf der Bühne ist alles echt, aber gleichzeitig auch extremer. Deswegen zeige ich nur einen Teil von mir, den aber geballt. Die Leute wollen mich ja auch nicht sehen, wenn ich meine Steuererklärung ausfülle – damit muss man nicht auf die Bühne.

Also zeigst du nicht gerne alles – bist du keine sogenannte Rampensau oder eine Draufgängerin?
Privat bin ich alles andere als eine Rampensau. Ich fahre sehr vorsichtig, benutze immer Sonnencreme, mache alles, was man soll. Doch auf der Bühne versuche ich, diesen inneren Drang auszuleben, alles kaputt zu machen. Irgendwo in sich drin sehnt sich jeder Mensch nach Chaos.

Deine Auftritte in der «heute-show» haben dich auch in Deutschland bekannt gemacht. Du trittst dort auch auf. Welche Unterschiede fallen dir da auf? Reagieren die Deutschen anders auf dich und deinen Humor?
In der Schweiz heisst es oft: Cool, eine von uns! In Deutschland bin ich eine Exotin. Deutsche finden es unglaublich, dass ich aus der Schweiz komme. Für sie ist unvorstellbar, dass in der Schweiz jemand sein Geld mit Humor verdient.

Wie planst du nun deine weitere Karriere? Hast du einen Karrierecoach, der dich berät?
Haha, um Gottes willen, nein. Aber es wäre nicht sehr geschickt, wenn ich jetzt hier formulieren würde, was ich vorhabe. Falls es dann nicht klappt, wäre es eine Enttäuschung. Aber wenn ich mich jetzt gar nicht dazu äussere und es dann einfach mache, merkt niemand, wie sehr das Resultat vom Plan abweicht.

Begibst du dich vielleicht irgendwann mal auf dem Jakobsweg – wie dein Berufskollege Hape Kerkeling es tat?
Wer weiss: Vielleicht werde ich ja irgendwann hochspirituell. Dass ich zu Gott finde. Oder Gott zu mir. Dann mache ich gar nichts mehr. Nur noch chillen mit Gott.

Vielleicht tritt das erst nach deinem Ableben ein.
Dann kann ich immer noch meinen Schädel ans Theater spenden, damit die damit «Hamlet» spielen können. Wäre gar keine schlechte Idee. Denn ich weiss eigentlich nicht, was man sonst mit meinem Schädel tun könnte. Ich würde auf jeden Fall alle meine Organe weitergeben.

Jetzt sind wir schon wieder im Jenseits gelandet.
Macht nichts! Ist doch interessant, wie das Jenseits eigentlich abgeschafft worden ist. Man ist ja heute sehr diesseitsbezogen. Früher kam man als guter Mensch in den Himmel, heute ist der Himmel käuflich, und man muss ihn sich zu Lebzeiten verdienen. So wie Trump.
Viel Geld anhäufen und dann alles noch vor dem Abnippeln rausballern für die eigene Inszenierung. Früher konnte man die Inszenierung outsourcen, da hat man dann ein besseres Plätzchen gekriegt im Himmel.

Studierst du eigentlich immer noch Philosophie?
Ich habe vor kurzem versucht, mich beim Mailaccount einzuloggen, aber es funktioniert jetzt nicht mehr. Wahrscheinlich exmatrikuliert.

Geniesst du die Berühmtheit?
Das Erkanntwerden ist der nicht so angenehme Aspekt meines Berufs. Auf dieses Fame-Zeugs würde ich sehr gerne verzichten. Das geht aber nicht so leicht. Mal habe ich in einem Restaurant alleine gegessen, dann sagte mir der Kellner, dass mein Essen von «denen da drüben» schon bezahlt worden sei. Das hat dann etwas sehr Nuttiges. Ich will doch nichts gratis bekommen. Diese ganze Celebrity-Scheisse, was soll das, lasst mich einfach in Ruhe arbeiten.

Du bist Autorin, Comedy-Star – würdest du dich gerne auch mal als Schauspielerin versuchen?
Du meinst, abgesehen von diesem Interview, bei dem ich mich extrem zusammenreisse, um dir eine Rolle vorzuspielen? Ich spiele hier ja gerade eine sozial verträgliche Version von mir, aber lange halte ich es nicht mehr durch bei diesen Fragen. Im Ernst: Das würde ich sehr gerne tun. Kommt Zeit, kommen Projekte. Ich würde auch gerne mal Regie führen. Oder die Kamera führen oder ein Mikrofon halten, egal eigentlich. Ich mach das ja eh alles als Hobby, weil ich den Plausch daran habe. Dann bin ich entzückt, wenn die Leute mir manchmal sogar Geld für meine Arbeit geben. Das ist ja schon unerhört cool, irgendwie.

HAZEL BRUGGER
div. Termine 2017
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