Die einen können nicht genug von Helene Fischer kriegen, die anderen verstehen den Hype um die deutsche Schlagersängerin überhaupt nicht. Helene Fischer hat den Schlager für die breite Masse interessant gemacht. Das war harte Arbeit.

Sie ist die erfolgreichste Künstlerin Deutschlands: Helene Fischer. Die Zahlen sind beeindruckend: Bei ihrer «Farbenspiel»-Stadiontournee besuchten insgesamt 1,2 Millionen Menschen die 22 Konzerte, sie gewann 16 Echo Pop-Auszeichnungen – so viele wie keine andere. Doch früher sah es lange nicht so aus, als würde Helene Fischer die breite Masse ansprechen. Der Schlager war in eine Nische gerutscht, für das jüngere Publikum unattraktiv. Das hat sich durch Helene Fischer geändert, die Grenzen zwischen Pop und Schlager sind bei ihr fliessend.

Wie sie sagte, habe sie Megastar-Status gar nie gewollt. In einem Bericht des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 2003 gibt die damals 19-jährige Helene Fischer einen Einblick in ihr Leben als Musical-Schülerin. «Dass ich ein Star werde und die Leute mich anhimmeln, ist nicht mein Ziel», erzählt sie in ihrem Zimmer, das sie mit schwarzen, gotischen Figuren geschmückt hat. «Vielmehr möchte ich, wenn ich eine musikalische Karriere anstrebe, mit den Texten und Gefühl die Leute berühren.»

Dreizehn Jahre später ist Helene Fischer ganz oben angelangt. An der Spitze der Hitparade mit ausverkauften Konzerthallen. Ob eine junge Männergruppe, Eltern mit ihren Kindern oder sogar Grosseltern: An ihren Konzerten sind alle Generationen vertreten. Alle fühlen sich angesprochen, alle sind für Helene da.

Mit 19 wollte sie zum Musical

Eigentlich hatte Helene Fischers Mutter Maria den Grundstein für Helene Fischers Schlagerkarriere gelegt. Nach dem Abschluss ihrer Musicalausbildung wollte sich Helene 2003 mit ihrer Demo-CD, die «The Power of Love» von Céline Dion enthielt, nur an Theatern bewerben, um sich dem Schauspiel und dem Musical zu widmen. Ihre Mutter wandte sich mit der CD jedoch an Musikproduzenten und landete bei Uwe Kanthak, der auch Vicky Leandros und Michelle managt.

Gemäss einem Artikel des deutschen «Handelsblatts» trug sich Kanthak schon länger mit den Gedanken, mit einem jüngeren Star den Schlager zu modernisieren. Schlager war nicht mehr populär, der grösste Teil der Hörerschaft war schon etwas älter geworden. Ursprünglich habe er für die Schlager-Revolution Michelle vorgesehen, doch ihr Song «Wer Liebe lebt» wurde trotz Teilnahme am Eurovision Song Contest nicht zu dem Hit, den er erhoffte. Helene musste her.

TV-Weihnachten mit Helene

Helene Fischer 2016
Showmasterin: Helene Fischer beim Dreh der Helene Fischer Show 2016.

Wann ist man wirklich ein grosser Star? Wenn man eine eigene TV-Show hat. Helene Fischer hat sie schon seit 2011. Und damit versüsst sie zahlreichen Zuschauern die Weihnachtstage, denn ihre Show wird seit der Erstausstrahlung immer am ersten Weihnachtstag ausgestrahlt. In der Show kann Helene Fischer ihre ganzen Facetten zeigen: Sie singt mit Rockgrössen wie Queen, spielt Nummern mit Ensembles von Musicals wie Chicago oder Tarzan und singt Duette mit Stars wie Andrea Bocelli oder Bryan Adams. Dieses Jahr haben sich unter anderem die Schlagersänger Roland Kaiser und Bill Ramsey, Austropop-Sänger Rainhard Fendrich angekündigt. Mit Jodeltalent Melanie Oesch ist auch eine Schweizerin dabei: Sie wird mit Helene Fischer und 24 Alphörnern den Hit «Atemlos durch die Nacht» neu interpretieren.

Ausstrahlung am So 25.12.16, 20.05 Uhr, SRF 1: Die Helene Fischer Show 2016

Ihr Manager hatte schon länger geplant, den Schlager aufzufrischen

Kanthak setzte alle Hebel in Bewegung, sorgte für Fischers ersten TV-Auftritt in der Sendung von Florian Silbereisen, mit dem sie drei Jahre später eine Beziehung einging. Zusammen mit ihm sang sie ein Operetten-Medley. Zum Start eine Samstagabendsendung in der ARD, nicht schlecht! Eine CD musste her. Die erfolgreichen Schlagerkomponistinnen Irma Holer und Kristina Bach, die übrigens auch «Atemlos» schrieb, sowie der Produzent Jean Frankfurter wurden ins Boot geholt. Alle drei sind heute noch im Fischer-Team.

«Ich hatte auch meine Vorurteile und hatte Angst, dass ich die schönen Balladen, die ich so mochte, nicht mehr singen kann. Da habe ich auch auf der Heimfahrt geweint.»

Nach zwei aufgenommenen Songs – «Auf der Reise ins Licht» und «Feuer am Horizont» – musste sich Fischer entscheiden, ob sie auf der Schlagerschiene bleiben möchte. «Ich war Anfang zwanzig und hatte mit Schlager nicht viel am Hut. Aber ich dachte, ich mache das mal», sagt sie in der Dokumentation «Allein im Licht». «Ich hatte auch meine Vorurteile und hatte Angst, dass ich die schönen Balladen, die ich so mochte, nicht mehr singen kann», sagt sie weiter. «Da habe ich auch auf der Heimfahrt geweint.» Seither habe sie aber jeden Moment in der Schlagerszene genossen. «Ich wurde herzlich aufgenommen.»

Es folgte eine imposante Karriere, die sich langsam aufbaute. Helene Fischers Erfolg kam nicht über Nacht, anfangs trat sie in Einkaufszentren und bei Volksfesten auf: «Da war mein Manager nicht immer dabei, ich war selbständig und hatte ein Gefühl von Erwachsenwerden», erinnert sie sich.

Fleiss und Geduld zahlten sich aus. Helene wird öfter zu TV-Shows eingeladen, feiert Hitparadenerfolge und geht auf immer grösser werdende Tourneen. 2010 zum ersten Mal mit Tänzern, 2013 zum ersten Mal in Stadien.

«Atemlos durch die Nacht» brachte ihr den Durchbruch in der breiten Masse

«Dass ‹Atemlos› ein Hit wird, wusste ich sofort.»

Doch 2013, mit dem Album «Farbenspiel», schaffte Helene Fischer den Sprung von der erfolgreichen Schlagersängerin zur derzeit erfolgreichsten Künstlerin Deutschlands. Das Album ging erstmals stärker in Richtung Pop-Musik. Ergebnis: Die erste Single «Fehlerfrei» war zwar recht erfolgreich, doch an der zweiten Single «Atemlos durch die Nacht» kam im deutschsprachigen Raum niemand vorbei. «Ich habe sofort gemerkt, dass dieser Song ein Hit ist», erinnert sich Helene Fischer.

«Atemlos» wurde 2014 nicht nur zur Karnevalshymne, sondern auch bei der Fussballweltmeisterschaft, am Oktoberfest, in unzähligen Fernsehsendungen und allen Partys rauf- und runtergespielt. Die «Farbenspiel»-Hallentournee war so erfolgreich, dass 2015 eine Stadiontour angesetzt wurde. Helene gewann mehrere Preise, von Goldenen Hennen bis zum Echo, und führt seit 2011 nicht nur durch ihre eigene Show, sondern moderierte 2013 auch die Bambi- und Echoverleihung. Sie überzeugt an Konzerten sowohl mit ihrer Musik wie auch mit Cover-Songs anderer Künstler und Musicals, mit Tanz und Akrobatik. Kurz: mit ihrem Talent.

Helene Fischer bricht Rekorde und revolutioniert den Schlager stetig. In welche Richtung sie ihre Musik lenken wird, bleibt spannend: Schlager oder Pop? Einfach Helene.

Tournee mit Show-Profis

Helene Fischer 2016
Lebt für die Bühne: Helene Fischer auf ihrer letztjährigen Stadiontournee.

Zum ersten Mal arbeitet das Team von Helene Fischer mit 45 Degrees, der Produktionsfirma des kanadischen Cirque du Soleil zusammen. 45 Degrees war schon beim Eurovision Song Contest 2009 in Moskau, der Oscar-Verleihung 2012 und bei Madonnas Super-Bowl-Halbzeitshow involviert. Eine vielversprechende Zusammenarbeit, die auch stimmige Artistik bieten wird. Die nächste Tournee von Helene Fischer wird ihre bisher grösste werden: Insgesamt besucht sie 13 Städte, in jeder Stadt sind je fünf Konzerte angekündigt – auch in Zürich.

HELENE FISCHER
24.-29.10.17 Hallenstadion Zürich
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