James Rhodes wird in England wie ein Popstar gefeiert, glänzt als Fernsehmoderator und hat gerade ein Buch geschrieben. Der Pianist macht klassische Musik zu einer coolen Sache und setzt sich dafür ein, dass sie aus ihrer elitären Ecke herauskommt. 

Anzug und Abendkleid bleiben im Kleiderschrank hängen: Zu den klassischen Konzerten des Pianisten James Rhodes darf das Publikum gerne in Jeans und T-Shirt erscheinen. Auch Sandwiches essen und Bier trinken. Und ungehemmt an jenen Stellen klatschen, die besonders gefallen. «Die Musik ist mir das Wichtigste. Ich hasse es, wenn die Menschen stocksteif dasitzen, deshalb dürfen sie bei mir anziehen, was sie wollen», erklärt der Brite. «Ich gehe nicht schweigend auf die Bühne, sondern erzähle immer etwas über die Stücke, die ich spiele. Und ich trete an allen möglichen Orten auf, in Konzerthäusern genauso wie in Jazz-Clubs.»

Klassik für alle

James Rhodes 2016So locker die Atmosphäre seiner Auftritte, so ernsthaft ist der Umgang des 41-Jährigen mit den klassischen Werken. Der Interpret spielt Bach, Beethoven, Rachmaninow und andere Komponisten. Mit grosser Klasse, aber ohne jeglichen Dünkel. «Ich möchte die klassische Musik möglichst vielen Menschen näherbringen. Denn diese Musik sollte ein Menschenrecht sein, ist aber in England und in anderen Ländern zum Luxus für wenige Reiche geworden», sagt Rhodes.

Fernseh-Interviews mit Stars

Rhodes’ unkonventionelle Haltung begeistert längst nicht nur Klassikfans. Der britische Fernsehsender Channel 4 verhalf Rhodes in den Jahren 2013/14 sogar zu einer eigenen Fernsehsendung: «Notizen aus dem Inneren». Darin erzählte der Musiker von seiner Liebe zur Musik, interviewte selber Stars, etwa den britischen Schauspieler Benedict Cumberbatch (40). Und sprach dabei erstmals von dem Thema, das ihm besonders am Herzen liegt: die heilende Kraft der Musik.

Wut im Bauch

Die Kraft der Musik hat auch Rhodes neue Kraft gegeben. Denn so schön die Klänge von Beethovens Klavierkonzerten unter seinen Händen erklingen: Der Pianist hat eine grosse Wut im Bauch. Darüber schrieb er den Bestseller «Der Klang der Wut – wie die Musik mich am Leben hielt». Rhodes wurde in seiner Kindheit sexuell missbraucht und ist danach einen langen und beschwerlichen Weg gegangen. Er schreckt im Buch nicht vor Kraftausdrücken zurück und schildert seinen Zorn, verfällt aber nicht in Lamento, sondern sagt: «Die Musik ist über die Jahre mein bester Freund geworden.»

Bach ist James Rhodes‘ Held

«Johann Sebastian Bach wird oft missverstanden», erzählt Rhodes und ergänzt: «Er ist für mich von allen der romantischste Komponist! Sein Leben war voller Tod und Schmerz. Er hatte 21 Kinder, elf davon starben, und auch seine Frau.» Aber Bach, so Rhodes, habe all diesen Schmerz in wunderbare Musik gepackt und diese sei voller Tiefe, Freude und Schönheit. «Bachs Musik hat heilende Kraft.»

JAMES RHODES
Mo, 24. 10. 2016, Neues Theater Spirgarten Zürich
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