Jean-Michel Jarre: «Ich habe eine Show in 3D kreiert»

Mit seinen avantgardistischen Klängen revolutionierte er die Elektronik-Musik. Wir haben den französischen Kult-Komponisten Jean-Michel Jarre (67) gestern vor seinem Konzert am Montreux Jazz Festival getroffen. Jarre schuf 1976 mit seinem Album «Oxygène» eines der wegweisendsten Werke der Popmusik.

Im Herbst gastieren Sie mit Ihrer neuen Bühnenshow «Electronica 2: The Heart of Noise» in Zürich. Was erwartet das Publikum?

Jean-Michel Jarre: Die Idee war es, Künstler aus allen Bereichen der elektronischen Musikszene zusammenzubringen, beispielsweise Moby, Air, Massive Attack, Pet Shop Boys oder Hans Zimmer. Bei meiner neuen Bühnenshow ist das Audiovisuelle zudem ein Teil der Orchestrierung der Musik. Ich wollte eine Show in 3D kreieren. Das Visuelle soll das Publikum in die Musik hineinziehen.

Sie haben für Ihre neue CD auch einen Track mit dem berühmten amerikanischen Whistleblower Edward Snowden aufgenommen. Wie kam es dazu?

Als ich das erste Mal von Edward Snowden hörte, hat er mich sofort fasziniert, denn er hat mich an meine Mutter erinnert. Meine Mutter war eine wichtige Figur in der französischen Résistance. Edward Snowden ist für mich kein Verräter, sondern ein moderner Held. Er sagte: «Passt auf, dass kein Missbrauch mit der modernen Technologie geschieht!» Ich wollte unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. Ich flog nach Moskau, und er war begeistert von meinem Projekt. Da er kein Sänger ist, haben wir einige gesprochene Sätze von ihm aufgenommen, in denen er erklärte, warum er genau so gehandelt hat, wie er es getan hat.

Sehen Sie sich also auch als politischen Künstler?

Ich bin sehr vorsichtig damit, Politik mit Kunst zu vermischen. Ich finde, es ist nicht unbedingt die Aufgabe der Künstler, zwischen den Songs zu sagen: «Rettet die Pinguine» oder «Rettet den Regenwald». Aber klar, manchmal vermischt sich das halt doch ein bisschen.

Sie waren von Anfang an ein Visionär in der Musikwelt. Wie sehen Sie die Zukunft der Musik?

Mein letztes Werk basierte auf der Zusammenarbeit mit Menschen. Vielleicht basiert mein nächstes Album auf der Zusammenarbeit mit Maschinen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, weil manche Maschinen bald fähig sein könnten, Emotionen zu kreieren, die sogar von uns Menschen wahrgenommen werden. Das tönt ungemein spannend.

JEAN-MICHEL JARRE
18.11.16, Hallenstadion Zürich
25.11.16, Arena de Genève
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