Andris Vanins, Goalie beim FC Zürich und Lettlands Nati-Goalie, steht vor seinem 80. Länderspiel. (Foto: Steffen Schmidt/freshfocus)

Vor dem Nati-Spiel in Genf macht Andris Vanins das, was der Schweiger aus dem Letten-Dorf Ilükste am besten kann: nicht reden.

Sorry, aber er habe schon vor Wochen allen lettischen Journalisten gesagt, dass er vor dem Spiel am 25. März in Genf keine Interviews gebe, lässt Andris Vanins (36) ausrichten. Es ist alles, was der FCZ-Goalie zum Thema Nationalmannschaft sagt. Also: nichts. Und das ist natürlich nicht spektakulär – und erst recht nicht aussergewöhnlich.

Interviews mit ihm sind eine Tortur. Jedes Wort muss ihm aus der Nase gezogen werden. Selbst mit Dolmetscher, denn Vanins spricht knapp Englisch und trotz acht Jahren Wallis wenig Französisch. Es sei schwierig zu sagen, warum er wenig sage, offenbarte er in der NZZ vor anderthalb Monaten. «Als ich jünger war, habe ich Interviews gegeben, in denen meine Worte verdreht wurden. Also habe ich damit aufgehört», begründet er sein Schweigen dann doch.

Dabei gäbe es so viel zu sagen vor dem Länderspiel gegen die Schweiz, also gegen das Land, in welchem Vanins seit 2008 arbeitet. Zu verdanken hat er sein Engagement einem Länderspiel gegen … die Schweiz. Das war am 11. Oktober 2008. Es ist das erste Spiel nach der Jahrzehnt-Peinlichkeit gegen Luxemburg. «Entweder war der sehr starke lettische Schlussmann Vanins dran, oder ein Verteidiger rettete auf der Linie», schrieb der SonntagsBlick zum damaligen Spiel, das die Schweiz mit Hängen und Würgen 2:1 gewinnt. Der erste Ernstkampf-Sieg eines gewissen …  Ottmar Hitzfeld.

Vanins wird zum Publikumsliebling

In der AFG Arena sitzt auch Christian Constantin. Der erinnert sich: «Der Goalie im Tor der Letten war omnipräsent und dennoch sehr ruhig. Ein typischer Ost-Goalie. Er machte mir enorm Eindruck.» Ein paar Tage später greift CC zum Telefon, ruft diesen Vanins an, von dem er zuvor noch nie gehört hatte. «Ich fragte ihn, ob er nicht in Europa Karriere machen wolle. Ich brauchte ja einen Goalie.» Vanins wollte. Und unterschreibt in Sion.

«Er machte mir enorm Eindruck.» – Christian Constantin

Dort macht er einige herausragende Saisons, wird zum Publikumsliebling. Bis der ehemalige Goalie CC in der letzten Saison nicht mehr zufrieden ist mit seiner Entdeckung. Im Winter holt er für viel Geld Russlands U21-Nati-Keeper Anton Mitrjuschkin. Die Degradierung von Vanins ist vorgespurt. Schon bald steht der Russe im Tor, nicht mehr der Lette. Ein unschönes Ende. «Ach wo», sagt CC. «Andris hat mir unlängst zu meinem Sechzigsten gratuliert. Und damals kam er zu mir und sagte, er würde seinen Stammplatz in der Nationalmannschaft verlieren, wenn er bloss Ersatz sei. Ob ich ihm helfen könne. So fand ich den FCZ für ihn.» Der Transfer geht schnell über die Bühne. «Ich habe sogar auf eine Ablösesumme verzichtet», so CC. «Die wird erst fällig, wenn der FCZ aufsteigt.» Also bald.

Und Vanins überzeugt auch in Zürich. Sagt vor Wochen, das Spiel in Genf würde vielleicht schon speziell werden. Wird es natürlich, keine Frage. Es ist sein 80. Länderspiel. Und irgendwie ein Kreis, der sich schliesst.

Nati vor erstem Quali-Spiel 2017

Nati-Trainer Vladimir Petkovic geht mit einem 23-Mann-Kader ins erste Länderspiel des Jahres. Möglicher Debütant ist Hoffenheims Steven Zuber, der nach 2013 und 2015 wieder im Aufgebot ist. WM-Quali-Gegner Lettland trainiert morgen Abend erstmals in Nyon VD.

SCHWEIZ-LETTLAND
25. März 2017, Stade de Geneve Genf
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