Seit über 20 Jahren vermittelt der deutsche Martin Rütter zwischen Hunden und ihren Haltern. Mit seinem neuen Programm «Freispruch» will Rütter auf unterhaltsame Art zeigen, dass Hundehalter für Probleme mit ihren Hunden selber verantwortlich sind.

event.: Martin Rütter, worum geht es in Ihrem Programm «Freispruch»?
Martin Rütter: Es geht mir in erster Linie immer um die Aufklärung: Das Problem ist nämlich wirklich nie der Hund, sondern immer der Mensch. Um dieses zu lösen, müssen sie ihre Einstellungen und Verhaltensweisen ändern. Ich werde als Anwalt für die Hunde sprechen. Das soll Spass machen. Es geht aber auch darum, den Zuschauern den Spiegel der Wahrheit vors Gesicht zu halten.

Martin Ruetter Tour 2018 - Freispruch
Martin Ruetter Tour 2018 – Freispruch

Was hat Sie davon überzeugt, dass der Hund keine Schuld trägt?
Meist fehlt es dem Hund an den unersetzlichen Faktoren in der Hundeerziehung: Konsequenz und Disziplin. Es bedarf fester Regeln, an die sich beide halten müssen. Wenn der Hund an einem Tag auf die Couch darf, am nächsten aber nicht, verwirrt ihn das, und es ist kontraproduktiv. Die Entscheidungshoheit liegt beim Menschen. Das schafft wiederum beim Hund Vertrauen.

Gibt es auch Hunde, die von Natur aus böse sind und deshalb keinen «Freispruch» verdienen?
Nein. Hunde kommen nicht böse auf die Welt. Sicher gibt es beim Hund rassentypische Charaktereigenschaften. Doch die Probleme, die sich im Laufe der Hundeerziehung auftun, sind zu 99,9 Prozent menschengemacht.

Immer wieder hört man von tragischen Zwischenfällen mit Kampfhunden. Gibt es Hunderassen, die verboten werden müssen?
Ob ein Hund freundlich, ängstlich oder aggressiv ist, hängt vor allem davon ab, wie er aufgewachsen ist und welche Erfahrungen er in seinem Leben gemacht hat. Dabei spielt die Erziehung durch die Mutterhündin sowie die Aufzucht durch den Züchter eine genauso grosse Rolle wie das Leben bei den Haltern. Natürlich gibt es dabei auch genetische und rassentypische Phänomene, die man nicht ausser Acht lassen darf. Aber die pauschale Kampfhund-Klassifizierung durch sogenannte Rassenlisten ist absurd und zielt an der Kernproblematik vorbei.

Wie kann man solche Vorkommnisse verhindern?
Verhindern lassen würde sich sicherlich eine Vielzahl der Zwischenfälle, wenn es
einen verpflichtenden Hundeführerschein geben würde, der noch vor der Anschaffung eines Hundes erworben werden müsste. Denn fast alle Verhaltensprobleme sind erworben und resultieren aus Fehlverhalten des Menschen. Da fehlt die mangelnde Information – Theoriestunden vor dem Hundekauf würden die meisten Probleme verhindern.

Seit über 20 Jahren vermitteln Sie zwischen Hunden und ihren Haltern. Was hat sich verändert?
Dem Hund geht es heute im Kreise der Menschen so gut wie nie zuvor. Es verfestigt sich immer mehr der Gedanke, dass der Hund ein Teil der Gesellschaft und ein wichtiger Bestandteil der Familie ist. Seine Bedürfnisse werden erkannt und gestillt. Sicherlich übertreiben es dann manche Leute mit dem Wohlwollen, was oft in Richtung Vermenschlichung überschlägt. Die hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Martin Ruetter Tour 2018 - Freispruch
Martin Ruetter Tour 2018 – Freispruch

Was versteht man unter Vermenschlichung?
Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Trägt der Hund einen Diamanten am Halsband, ist das kein Problem, denn er wird in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt. Es darf aber nicht eskalieren, sonst sind wir schnell bei der
Tierquälerei.

Welches ist der grösste oder häufigste Fehler, den Menschen im Umgang mit Hunden machen?
Es gibt drei Kardinalfehler: Die gerade beschriebene Vermenschlichung, mangelnde Konsequenz – darf der Hund jeweils sonntags am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an anderen Tagen aber nicht, kapiert er das nicht. Es verunsichert ihn nur. Der dritte Fehler ist mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

Trifft es zu, dass sich Hunde und Hundehalter oftmals gleichen – und wenn ja, warum?
Charakterlich oder im Verhalten kann man mitunter schon eine Annäherung erkennen. Meine erste Hündin Mina beispielsweise wurde mit der Zeit immer klüger. Meine Kinder sagten dann immer: Sie wird aber auch verfressener (lacht).

Martin Rütter «Freispruch»
29.01. – 17.03.2019, Basel, St. Gallen, Bern, Luzern
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