CEO-Corner by Andreas Angehrn

Die Kultrockband Rammstein war am 5. Juni 2019 in Bern zu Gast. Rund 43’000 Fans strömten ins restlos ausverkaufte Stade de Suisse nach Bern. Die Veranstalter von wepromote haben einen super Job gemacht, die Band überzeugte mit einer genialen Show und die Stimmung war sensationell. Für Ticketcorner bot der Event dennoch eine besondere Herausforderung.

Es fehlen politische Grundlagen

Seit Jahren kämpfen wir zusammen mit Veranstaltern und Künstlern gegen den ausufernden Zweitmarkt. Unseriöse Ticketanbieter verkaufen Tickets zu massiv überhöhten Preisen, verbreiten Fehlinformationen und immer wieder tauchen auch gefälschte Karten auf. Zurück bleiben frustrierte Fans. Eine Handhabe gegen solche Machenschaften gibt es in der Schweiz praktisch nicht. Es fehlen die gesetzlichen Grundlagen. Einzelne politische Vorstösse wurden bislang bereits im Keim erstickt, ganz im Gegensatz zum Ausland: In der EU und in diversen Ländern wurden neue Gesetzentwürfe verabschiedet oder sind in Vorbereitung. Es bleibt deshalb in der Schweiz an der privaten Seite, mit verschiedenen Initiativen dagegen anzukämpfen.

Personalisierte Tickets zeigen Wirkung

Eine dieser Möglichkeiten sind personalisierte Tickets, wie sie beim Rammstein-Konzert zum Einsatz kamen.

Was sind personalisierte Tickets? Wie es der Name sagt, sind das Tickets, die für eine bestimmte Person ausgestellt werden, jeder Besteller muss den Namen angeben und kommt nur ins Stadion, wenn er einen gültigen Fotoausweis, der mit dem Namen auf dem Ticket übereinstimmt, vorweisen kann. Mit dieser Massnahme sollen die Aktivitäten von Zweitmarkthändlern eingeschränkt werden. Rammstein hat bewiesen, dass die Massnahme wirkt, es sind im Verhältnis zu anderen Konzerten nur wenige Tickets auf Zweitplattformen angeboten worden.

Grosser Mehraufwand

ABER: Die Umpersonalisierung erfordert einen immensen Mehraufwand. In den Monaten vor dem Rammstein-Konzert haben wir rund 6000 Tickets umgeschrieben, am Konzert-Tag in Bern waren es nochmals rund 750. Insgesamt wurden also rund 15% der verkauften Tickets umpersonalisiert. Ticketcorner unterstützte dafür den Veranstalter wepromote im Vorfeld mit seinem eingespielten Consumer Service Team und vor Ort in Bern mit über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Mein persönliches Fazit: Der grosse Zusatz-Aufwand hat sich gelohnt, der Zweitmarkt war im Vergleich zu anderen grossen Konzerten praktisch inexistent, die Informationskampagnen von Branchenverbänden, Konsumentenschutzorganisationen und Ticketing-Anbietern erzielen Wirkung. Fast alle Konzertbesucher waren gut vorbereitet und zeigten grosses Verständnis für die längeren Wartezeiten bei der Einlasskontrolle.

Lösung für die Zukunft?

Ist das nun die Lösung für die Zukunft? Lohnt sich dieser Aufwand? Wenn wir etwas gegen die Abzocke von Zweitmarkthändlern und ihrem organisierten Vorgehen machen wollen, ist das zurzeit wohl eine der wirksamsten, aber auch aufwändigsten Massnahmen. Sie kann aber nur punktuell und nicht flächendeckend eingesetzt werden. Unsere Branche braucht Unterstützung, das Thema muss auf die politische Agenda. Und wie im EU-Raum braucht es Gesetze, die den unlauteren Wettbewerb eindämmen und teilweise sogar unterbinden.

Übrigens: Auf ticketcheck.ch finden Sie viele Tipps und Tricks, wie Sie sich persönlich vor Abzocke schützen können. Zudem geben verschiedene Künstler Statements ab und erläutern, wie ihnen die unlauteren Machenschaften dieser Tickethändler schaden.

Helfen Sie mit im Kampf gegen den unseriösen Tickethandel! Ich danke Ihnen dafür.

Andreas Angehrn

CEO Ticketcorner

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