Placebo 2016
Stefan Olsdal, Brian Molko und der langjährige Drummer Steven Forrest (2015 ausgestiegen).

Placebo zählen zu den grössten Indiebands der Welt. Zum 20-jährigen Jubiläum versöhnt sich Frontmann Brian Molko mit der Vergangenheit und bricht mit Pauken und Trompeten in die dritte Dekade auf.

Brian Molko hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Die Beziehung mit der Mutter seines achtjährigen Sohnes Cody ging in die Brüche. Gleichzeitig hat er es geschafft, seine langjährige Drogenkarriere zu beenden. «Ich bereue nichts», sagt der Frontmann der britischen Rockband Placebo. «All diese Erfahrungen haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Ich habe inzwischen gelernt, dass man sich der Realität und seinen Gefühlen stellen muss. Selbstmitleid macht unattraktiv.»

Sein Selbstmitleid hatte aber auch Vorteile. Es lieferte den Stoff für all die Songs über destruktive Beziehungen, Suizid, selbstverletzendes Verhalten und die Macht der Drogen. Placebo benannten sich nach der Medizin, die nicht wirkt. Sie versetzten ihre Fans aber in einen regelrechten Rausch. Seit der Gründung 1996 verkaufte die Band rund zwölf Millionen Tonträger. Placebo gelten am 20-jährigen Jubiläum als eine der grössten Indiebands überhaupt. Gestärkt brechen die Briten nun in die dritte Dekade ihrer Bandgeschichte auf. Mit einer neuen Scheibe und einer Tour rund um den Globus – inklusive eines Abstechers ins Hallenstadion Zürich am 16. November 2016.

«Hauptsache, keine geregelte, fade Arbeit!»

Eigentlich hatten Brian Molko und sein schwedischer Bandkollege Stefan Olsdal gar nicht vor, berühmt zu werden. «Wir wollten nur was zu essen, irgendwo einen Platz zum Schlafen und Musik machen – Hauptsache, keine geregelte, fade Arbeit.» Es war aber nicht nur die Unlust auf einen langweiligen Bürojob, die Brian Molko ins Showgeschäft trieb. Musik bedeutete für den damaligen Schauspielstudenten Rebellion. Seine strenggläubigen Eltern lehnten Kunst ab. Sein Vater sah ihn als Bankier, seine Mutter als Pfarrer. David Bowie hingegen schätzte den jungen Musiker mit den schwarzen Haaren und der Wimperntusche, der damit kokettierte, dass er mit Männern genauso gern ins Bett steige wie mit Frauen. Die Musiklegende beschloss, das Trio mit auf Tour zu nehmen. Die Leute waren begeistert von Bowies Neuentdeckung. Bereits das erste Album schlug ein wie eine Bombe. In Grossbritannien erreichten Placebo Platz fünf der Charts und erhielten Platin. Alle zwei bis drei Jahre veröffentlichte die Alternative-Rockband in der Folge ein erfolgreiches Album. Und vor zehn Jahren landete mit «Meds» auch in der Schweiz zum ersten Mal eine Placebo-Platte auf Platz eins der Hitparade.

«Wir entschlossen etwas arrogant, die grösste Band der Welt zu werden.»

«Wenn du jung bist, von der Sozialhilfe lebst und diesen Erfolg erstmals fühlst, steigt dir das verdammt schnell zu Kopf. Das lässt dein Ego explodieren», erinnert sich Brian Molko an den Zeitpunkt des Durchbruchs. Nach der erfolgreichen Tour mit David Bowie wurden Placebo als Support von U2 gebucht, der Song «Every Me Every You» des zweiten Albums «Without You I’m Nothing» diente als Soundtrack des Hollywood-Streifens «Cruel Intentions», die Rocktruppe tourte um den Globus. Von 1996 an standen Placebo während acht Jahren fast jeden Tag auf der Bühne. «Wir entschlossen etwas arrogant, die grösste Band der Welt zu werden.» Und trotzdem: «Je mehr ich geschaffen hatte, umso mehr Selbstzweifel haben sich eingeschlichen.»

Beim letzten Album «Love Like Loud» vor drei Jahren spürten die Fans, dass sich Brian Molko mit seiner Vergangenheit versöhnt hatte. Die Songs klangen – wenn auch ein wenig geschliffener – immer noch typisch nach Placebo, die Texte waren nicht mehr so düster wie früher. Die Band rechnete beispielsweise mit Facebook und Co. ab, statt wie vorher wild draufloszufluchen.

Inzwischen ist der Placebo-Frontmann 43 Jahre alt. «Ich fühle mich, als würde ich gerade erst damit anfangen, erwachsen zu werden», verrät er. «Ich habe die vergangenen zehn bis 15 Jahre damit verbracht, mich sehr kindisch zu verhalten.» Der Rockstar ist dankbar, dass er nach 20 Jahren immer noch Musik machen darf. Dass sich die Leute immer noch für ihn interessieren und immer noch an die Konzerte kommen.

Geglückter Start ins dritte Jahrzehnt

«Es ist an der Zeit, dass wir gezielt das spielen, was viele Placebo-Fans wirklich hören wollen»

Zum 20-jährigen Jubiläum danken Placebo ihren Fans mit dem Retrospektive-Album «A Place For Us To Dream – 20 Years Of Placebo». Und auch die Tour-Setlist verspricht Perlen aus 20 Jahren Bandgeschichte. «Wir werden Songs spielen, bei denen ich geschworen hatte, dass ich sie nie wieder spielen würde. Es ist an der Zeit, dass wir gezielt das spielen, was viele Placebo-Fans wirklich hören wollen», sagt Brian Molko. Mit «Jesus’ Son» enthält das Jubiläumsalbum eine Single, welche die alten und neuen Stärken von Placebo in einem kompakten Rocksong vereint. Die Londoner sind nicht faul geworden. Deshalb folgt nun auch die EP mit dem vielsagenden Titel «Life’s What You Make It». «Wir haben mehr als genug erreicht. Wenn es mehr wird, ist das grossartig. Wir wollen nur nicht kleiner werden.» Weitermachen ist die Devise. Der Start in die dritte Dekade ist geglückt.

PLACEBO
16.11.16, Hallenstadion Zürich
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