Christopher von Deylen (46) ist der Mann hinter Schiller. Im Interview verriet uns der deutsche «Elektronikfummler», warum er aus dem Koffer lebt – und warum er Sharon Stone nie persönlich treffen möchte.

Deine Shows sind bekannt und beliebt für ihre Lichtinszenierungen. Womit wirst du auf deiner Tour im Herbst überraschen?

Meine Konzerte sollen ein Erlebnis für die Sinne sein. Licht und Sound in 3D sozusagen, mit grosser Lichtkulisse und Surroundton. Ich habe das in den letzten 10, 15 Jahren immer weiterzuentwickeln versucht.

Siehst du das als Gesamtkonzept? Ist das Album der Teaser für das Gesamterlebnis?

Es gibt eigentlich zwei verschiedene Welten bei Schiller. Die eine ist die rein musikalische Welt. Das, was man sich zu Hause oder unterwegs von der CD anhören kann. Da ist man dann für sich, hat man den Kopfhörer vielleicht auf, und man kann wirklich ganz individuell eintauchen in die Musik, kann die Augen schliessen und hat sofort Bilder im Kopf.

Was ist an der Show spontan, was programmiert?

Das Beste passiert ja eigentlich immer dann, wenn was schiefläuft. Ich versuche, sowohl im Studio als auch auf der Bühne möglichst viel Spielraum für das einzuräumen, was ich als menschliches Versagen bezeichne. Das führt zu einer ganz besonderen Spannung. Es gibt in jedem Schiller-Konzert immer wieder Momente, die so nicht geplant waren. Aber ich verrate nicht, welche Momente das sind.

Werden Special Guests mit auf der Bühne stehen?

Auch das verrate ich noch nicht! Begleiten wird mich eine «globale Band», Musiker aus Deutschland, Frankreich und den USA.

Du hast ja schon mit vielen Musikern zusammengearbeitet. Welcher hat dich am meisten überrascht?

Lang Lang, der Pianist, mit seiner Offenheit und Neugier. Das war 2008 – er hat sich damals dafür das erste Mal aus seiner Festung Klassik hinausbewegt. Er hat das mit Vehemenz, Stärke und Leichtigkeit gemacht. Das hat mich sehr beeindruckt.

Sharon Stone hat den Text zu einem Song auf deinem Album geschrieben – wie kam es dazu?

In Kalifornien hatte es sich letztes Jahr wohl herumgesprochen, dass sich da so ein Elektronikfummler aus Deutschland gerade in Los Angeles niedergelassen hat. Sharon Stone kannte offensichtlich Schiller und hat über ihren Agenten anfragen lassen, ob ich nicht einen ihrer Texte vertonen wolle. Ich wusste gar nicht, dass Sharon Stone Songtexte schreibt – in der Regel wollen Schauspieler doch selbst vor dem Mikrofon stehen, sie aber nicht. Als ich dann fertig war, liess ich mir wiederum über ihren Agenten einen versteckten Youtube-Link zukommen. Ich war sehr nervös, doch am nächsten Tag sah ich, dass dieser Link mehrere Dutzend Mal abgerufen wurde. Zeitgleich kam von ihrem Agenten die Nachricht: «Sharon loves it» – sehr geradeaus und schnörkellos. Dann für mich ein wunderbarer Abschluss dieser geheimnisvollen Begegnung – die nie eine Entsprechung im echten Leben hatte.

Das heisst, Sharon und du seid euch bisher nie persönlich begegnet?

Stimmt. Wir sind uns nie begegnet! Was ich aber auch gar nicht vermisse, denn das macht es so geheimnisvoll. Dieses besondere Spannungsverhältnis würde sicher bei einer Begegnung bei Kaffee und Kuchen nicht besser werden.

Wie hast du die bisherigen Schweizer Konzerte in Erinnerung?

Die Schweizer sind ausgesprochen begeisterungsfähig und reagieren sehr direkt auf die Musik. Ich merke sofort, welche Stücke gut ankommen. Bei den Schweizern weiss man, woran man ist.

Stimmt es, dass du aus dem Koffer lebst?

Ich habe vor drei Jahren meinen Besitz aufgelöst und abgegeben. Seitdem reise ich mit zwei Koffern durch die Welt. Ich wohne bei Freunden oder suche mir bei Airbnb eine Unterkunft. Ich habe also wirklich kein festes, gleich bleibendes Zuhause. Der Zugewinn der Freiheit ist immens. Aber vielleicht werde ich mich auch wieder einmal irgendwo niederlassen.

SCHILLER
10.10.16, Hallenstadion Zürich
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