Talente in der NLA Vincent Praplan 2016
Vincent Praplan spielte ein Jahr bei North Bay Battalion – und profiliert sich jetzt bei Kloten als regelmässiger Torschütze.

Der grosse Traum von der National Hockey League, der besten Liga der Welt, ging für sie nicht in Erfüllung. Und doch haben sie in nordamerikanischen Junioren-Ligen viel gelernt. Gestärkt durch die harte Lehre haben Rückkehrer wie Lino Martschini, Vincent Praplan oder NL die National League A erobert.

Jedes Jahr ziehen Teenager nach Nordamerika aus, um ihr Glück zu suchen. Sie träumen davon, den Weg in die National Hockey League (NHL) zu finden, wo das Durchschnittssalär über 2,5 Millionen Dollar pro Jahr beträgt.

Talente in der NLA Nino Niederreiter 2016
Er hats geschafft: Der Churer Nino Niederreiter verdient bei Minnesota Wild in Minneapolis (USA) 2,6 Millionen.

Sie wollen wie Nino Niederreiter durchstarten. Der 24-Jährige kannte die NHL einst nur von der Playstation. Als knapp 17-Jähriger wagte er 2009 den Sprung nach Portland, um in der Junioren-Liga WHL zu spielen. Dabei lernte er neue Seiten des Eishockeys kennen. So wurde im Training das Ablenken des Pucks drillmässig geübt. Nach einem Jahr in den USA wurde der Churer im Draft, in dem jedes Jahr die Rechte an den besten Talenten unter den NHL-Teams aufgeteilt werden, als Nummer 5 gewählt. Inzwischen hat Niederreiter bereits über 300 NHL-Partien bestritten und verdient diese Saison bei Minnesota Wild 2,6 Millionen Franken.

Doch nicht jeder landet wie Niederreiter, Yannick Weber (Nashville), Luca Sbisa, Sven Bärtschi (beide Vancouver), Sven Andrighetto (Montreal), Mirco Müller oder Timo Meier (beide San Jose) via die Junioren-Ligen WHL, OHL und QMJHL auch im Eishockey-Schlaraffenland. Die Mehrheit erlebt eine Enttäuschung beim Draft.

Abgewiesene profitieren dennoch – von ihren Erfahrungen

Das bedeutet allerdings noch nicht das Ende. Mit den Erfahrungen, welche sie in einer anderen Eishockey-Welt gesammelt haben, sind sie oft bestens gerüstet, um ihre Karriere in der Schweiz lancieren zu können. Manch einer ging als Junge, kehrte ein oder zwei Jahre später als Mann zurück und avancierte zum Leistungsträger in der NLA. Zum Beispiel der 23-jährige Lino Martschini. Der nur 1,67 Meter kleine Luzerner spielte zwei Jahre bei den Peterborough Petes in der OHL. Bereits in seiner ersten Saison zurück beim EV Zug gelangen ihm dann 17 Treffer. Und in der letzten Spielzeit war er 26-mal erfolgreich, womit er der beste Torschütze der Liga war.

In Kanada, wo das Spiel auch aufgrund der kleineren Rinks viel körperbetonter ist, hat er nicht nur entdeckt, wie man als kleiner, schmächtiger Spieler bestehen kann und an seiner Schusstechnik gefeilt, sondern auch seine Freundin kennengelernt.

Wie Martschini haben zuletzt auch Alessio Bertaggia (Lugano), Fabrice Herzog, Pius Suter (beide ZSC Lions), Yannick Rathgeb (Fribourg), Kay Schweri (Servette), Dario Meyer (Bern), Jason Fuchs (Ambri) oder Vincent Praplan (Kloten) bei ihrer Rückkehr vom Aufenthalt in Kanada profitiert. Letzterer spielte ein Jahr bei North Bay Battalion. Inzwischen ist er in Kloten ein regelmässiger Torschütze.

«Einerseits war ich für die NLA noch nicht bereit. Andererseits hätte mir ein weiteres Jahr bei den Junioren nicht mehr viel gebracht», sagt Praplan über seinen Wechsel zu North Bay. «Heute bereue ich es, dass ich den Sprung nicht schon ein Jahr früher gemacht habe. Ein zweites Jahr hätte mir gutgetan. Es braucht einfach Zeit, sich an die Verhältnisse zu gewöhnen.»

 «Erstmals war ich auf mich alleine gestellt»

Der 22-Jährige ist überzeugt, dass ihm das Ausland-Jahr sportlich wie auch menschlich extrem viel gebracht hat. «Ich dachte zwar keine Sekunde daran, wieder nach Hause zu reisen. Trotzdem vermisste ich Familie und Freunde. Erst recht, wenn es mal nicht so lief oder dich etwas bedrückte. Es ist dann nicht dasselbe, ob du mit jemandem telefonierst oder diese Person direkt vor dir steht», sagt der Walliser. «Erstmals überhaupt war ich auf mich alleine gestellt. Das bringt dich weiter.»

Für Edgar Salis, Sportchef der ZSC Lions, der grössten Talentschmiede der Schweiz, ist der Sprung in die nordamerikanischen Junioren-Ligen nur einer von mehreren Ausbildungswegen. «Einigen hilft es weiter, andere macht es kaputt. Pius Suter zum Beispiel hat es sicher geholfen, wenn man sieht, wie er sich in den Zweikämpfen und entlang der Banden verhält», sagt er.

Beim Eishockey-Verband verfolgt man diesen Weg mit gemischten Gefühlen. Einerseits sieht man, dass sich Spieler prächtig entwickeln und vor allem in den Bereichen, die traditionell nicht zu den Schweizer Stärken gehören, wie Handlungsschnelligkeit, Durchsetzungsvermögen und Zug aufs Tor, Fortschritte erzielen. Anderseits dürften der Schweiz an der nächsten U18-WM erstmals gleich vier Spieler wegen ihres Engagements in Übersee fehlen, was zum Abstieg führen könnte. Denn die grössten Talente Nico Hischier (von Bern zu Halifax), Axel Simic (von Lausanne zu Blainville-Boisbriand), Simon Le Coultre (von Lausanne zu Moncton) und Philipp Kurashev (von den ZSC Lions zu Québec) haben den Atlantik überquert.

Erfolgreich zurück

Den Sprung in die NHL haben sie zwar nicht geschafft – von den Erfahrungen in den USA aber allemal profitiert.

Talente in der NLA Pius Suter 2016PIUS SUTER

ZSC-Stürmer Pius Suter (20) wurde zusammen mit seinem jetzigen Teamkollegen Phil Baltisberger in Guelph Meister. Dort schoss der Stürmer aus Wallisellen 61 Tore und wurde OHL-Champion. «Das war eindrücklich. Es gab eine Parade, bei der wir auf Trucks durch die Stadt fuhren.»

 

Talente in der NLA Kay Schweri 2016KAY SCHWERI

Ex-Kloten-Junior Kay Schweri (19) kehrte auf diese Saison hin von Sherbrooke in die Schweiz zurück. Zwei Jahre wirbelte Kay Schweri bei den Sherbrooke Phoenix in der QMJHL und buchte dort in 96 Spielen 110 Skorerpunkte. Danach wechselte der einstige Elitejunioren-Topskorer zu Servette, wo er auf Anhieb zu gefallen wusste.

 

Talente in der NLA Dario Meyer 2016DARIO MEYER

Dario Meyer (19) kehrte nach einem Jahr bei den Edmonton Oil Kings im letzten Sommer zum SC Bern zurück. Meyer ragte als Junior beim SCB nicht heraus. Er spielte auch nicht an einer U18-WM. Doch in der WHL in Edmonton machte er leistungsmässig einen grossen Satz und überraschte dann an der U20-WM. Zurück in Bern, erkämpfte er sich diese Saison einen Stammplatz.

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