Mit Ohrwürmern wie «Shall We Dance?», «Whistle a Happy Tune» und «Getting to Know You» verzaubert «The King and I» seit Jahrzehnten das Publikum auf der ganzen Welt. Jetzt kommt die englische Originalversion zum ersten Mal in die Schweiz.

Trotz ihrer Unterschiede finden Anna und der König immer wieder zueinander.

Was kann passieren, wenn zwei Welten aufeinander treffen? Sie fangen an, miteinander zu
tanzen. Schwer vorstellbar im heutigen politischen Klima, doch in der Musical-Welt von «The King and I» ist es möglich. Das Musical transportiert das Publikum zurück ins Jahr 1860 nach Siam, das heutige Thailand. Die britische Lehrerin Anna reist auf Wunsch des  Königs mit ihrem Sohn nach Bangkok, um sowohl seine Kinder als auch seine zahllosen Haupt- und Nebenfrauen zu unterrichten. Anna ist sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst, dass ihre Aufgabe noch weit mehr umfassen wird. Der eigensinnige König hat grosse Pläne, Siam in der sich modernisierenden Welt zu etablieren. Anna soll ihm dabei helfen.

Keine leichte Aufgabe, die durch den König und seine monarchistischen Vorstellungen nicht einfacher gemacht wird. Trotz ihrer Unterschiede schaffen Anna und der König es nach und nach, ihre Konflikte in humorvollen Szenen zu schlichten. Als er sie daran erinnert, ihren Kopf nie höher als seinen zu halten, beugt er sich augenzwinkernd immer tiefer, bis beide erschöpft und schmunzelnd nebeneinander auf dem Boden liegen. Genauso souverän freundet sich Anna mit den vielen Kindern und Frauen Siams an. Spielerisch tauschen sie aus, wie man sich im Westen und im Osten begrüsst, und Anna bringt ihnen bei, wie man in England eine Tasse Tee trinkt. Ausserdem bringt sie alle im Königshof mit ihren Schilderungen zum Staunen. Besonders gross werden die Augen, als Anna den Schnee in der Schweiz beschreibt. Sie können sich kaum vorstellen, dass im Winter «eisige Sterne» vom Himmel fallen und ganze Seen plötzlich hart wie Stein werden. Erst als der König  nickend zustimmt, lassen sie sich überzeugen.

Annas Bindung zu den Kindern des Königs stimmt auf Anhieb. Es wird gespielt, getanzt und gelernt.

Trotz der romantischen Szenen zwischen Anna und dem König, wie der Walzer zum Lied «Shall We Dance?», sollte man nicht eine typische Liebesgeschichte erwarten. Ungewöhnlich für ein Musical liegt der Fokus nicht auf gros sen Gesten, sondern auf den subtilen Momenten, die es schaffen, zwei Menschen trotz konfliktreicher Unterschiede zu verbinden. «The King and I» unter der Regie des renommierten Regisseurs Bartlett Sher, der auch «South Pacific» und «My Fair Lady» für den Broadway umgesetzt hat, gehört zu den längsten Broadway-Musical-Hits aller Zeiten. Die Inspiration zu der Geschichte, die erstmals als semifiktionales Buch 1944 publiziert wurde, stammte tatsächlich von einer echten Anna Leonowens, die laut ihren Tagebüchern als Lehrerin nach Siam reiste, um die Kinder des damaligen Königs zu unterrichten. Im Jahr 1951 feierte das Musical seine Premiere am Broadway und wurde seither in 14 weiteren Produktionen aufgeführt. Auch der Kinofilm «Anna und der König» mit Jodie Foster in der weiblichen Hauptrolle war 1999 ein grosser Erfolg.

Opulente Neuinterpretation mit Glanz und Gold sorgt für das maximale Erlebnis

Mit sensiblem Gespür lässt Regisseur Sher die opulente Welt von Siam vom ersten Moment an zur Geltung kommen. Die Kostüme der 50 Darsteller wurden jeweils einzeln angefertigt und kosteten insgesamt rund 800 000 Franken. Der Vorhang ist sogar mit echtem Gold bestickt, damit er durch das Scheinwerferlicht die Bühne sofort zum Funkeln bringt. Sher traf diese Entscheidungen, um dem Publikum das maximale Erlebnis zu bieten. Zudem will er die kulturellen Elemente in seiner Version besonders hervorheben. Er legte grossen Wert darauf, auf die orientalischen Elemente der früheren Versionen komplett zu verzichten. Er erklärt: «Ich wollte die Geschichte neu für unsere heutige Zeit interpretieren und die exotischen Aspekte abbauen.»

The King and I
19.11. – 1.12.2019, Theater 11 Zürich
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