Das Schweizerische Konsumentenforum kf ist die älteste nationale Konsumentenorganisation. Immer öfter muss es sich in letzter Zeit mit Ticketbetrugs-Fällen beschäftigen, wie Kommunikationsleiter Dominique Roten im Interview sagt.

event.: Ungültige Tickets, überhöhte Preise, frustrierte Fans. Das Problem des Ticketbetrugs hat sich in den vergangenen Monaten verschärft. Es gibt immer mehr Wiederverkaufsplattformen, die ihre Käufer übers Ohr hauen. Haben Sie diese Problematik beim Konsumentenforum auch mitbekommen?
Dominique Roten: Und wie. Die Rechtsberatung des Konsumentenforums wird fast täglich mit Ticketbetrügereien konfrontiert. Wiederverkaufsplattformen wie Viagogo sind für unsere Rechtsberater alte Bekannte.

Wie viele Konsumentinnen und Konsumenten haben sich bei Ihnen gemeldet? Wie muss man diese Zahl im Vergleich zur Gesamtzahl der Beanstandungen einordnen?
Unsere Rechtsberatung hatte letztes Jahr insgesamt 502 Fälle zu bearbeiten, davon wurden 148 Fälle als Ticketbetrug entlarvt. Das heisst, bei uns machen Ticketbetrügereien knapp einen Drittel aller Fälle aus.

Haben die Beanstandungen zu diesem Thema in der vergangenen Zeit zugenommen?
In den letzten zwei Jahren ist die Zahl der Beanstandungen bei uns konstant hoch geblieben: 2017 hatten wir 140 Fälle wegen Ticketbetrug, 8 Fälle weniger als 2018. 2016 lag die Zahl noch bei unter 100 Fällen. Das heisst, eine markante Zunahme von Ticketbetrug wurde vom Konsumentenforum bereits vor zwei Jahren wahrgenommen. Die Beanstandungen kommen übrigens nur zum Teil aus der Schweiz: Mehr als 50 Prozent aller Beschwerden kommen aus Deutschland, Holland, Frankreich, England und Schweden.

Welches sind die Hauptbeanstandungen?
In der Regel die fehlerhaften Informationen der Ticketanbieter: Im Nachhinein werden plötzlich Gebühren erhoben, die nirgends ersichtlich waren, oder die Tickets sind schon personalisiert. Das heisst, es ist der Name des Käufers auf dem Ticket aufgedruckt. Solche Tickets können nur vom Käufer über offizielle Wege auf eine andere Person übertragen werden, trotzdem werden sie aber munter auf Internet-Plattformen zum Verkauf angeboten. Der neue Besitzer erhält dann aber keinen Einlass am Event, weil der Name auf dem Ticket nicht mit seinem Ausweis übereinstimmt, was Voraussetzung ist.

Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis geben?
«Anekdoten» zum Beispiel über Viagogo haben wir zur Genüge. Eine von vielen: Ein Schweizer Familienvater hat für sich und seinen Sohn Tickets für das Spiel des FC St. Gallen gegen Neuchâtel Xamax über Viagogo bestellt. Die Tickets kamen zwar pünktlich am Tag des Spiels per Post an, kosteten aber statt der angegebenen 60 plötzlich 240 Franken. Das war aber noch nicht alles: Sein Sohn durfte nicht ins Stadion, weil es sich beim Kinderticket um eine Fälschung handelte! Ein Samstag, den Vater und Sohn nicht so schnell vergessen werden.

Was raten Sie diesen Personen? Welche Möglichkeiten haben sie?
Das ist von Fall zu Fall sehr verschieden. Personen, die Opfer eines Ticketbetrugs geworden sind, können sich bei uns melden. Unsere Rechtsberater gehen allen Fällen nach und melden diese auch dem Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft). Manche Fälle lassen sich innert
weniger Tage lösen, bei anderen dauert es Monate.

Wie kann das Konsumentenforum die Leute unterstützen?
Das Konsumentenforum unterstützt die geprellten Konsumenten, in dem es mit der Gegenpartei Kontakt aufnimmt und in erster Instanz zu vermitteln versucht. Als Konsumentenorganisation wird man in der Regel von den Ticketwiederverkäufern ernster genommen, und die Chancen stehen höher, zu einem befriedigenden Resultat zu kommen. Am besten ruft man einfach bei unserer Rechtsberatung an – der erste Anruf ist kostenlos. Beratungshotline: 031 380 50 34 (Festnetztarif).

Wie du dich vor Ticketbetrug schützen kannst, erfährst du auch auf www.ticket-check.ch

Auch Gölä und Trauffer haben ihre Meinung zum Schwarzmarkt:

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