Zum ersten Mal seit 15 Jahren tritt Cher wieder in der Schweiz auf. Im Gepäck hat sie Hits wie «Believe» oder «If I Could Turn Back Time» – und das aktuelle Album «Dancing Queen» mit ihren liebsten ABBA-Songs.

Eines Tages erhielt Cher einen Anruf vom Chef von Universal Pictures. «Er sagte nur: ‹Hi Cher, du spielst in Mamma Mia 2 mit.› Dann legte er auf, ohne meine Reaktion abzuwarten. Ich dachte mir: Oookay …» Selbst die Popikone und Oscar-Preisträgerin war beim Auflegen kurz sprachlos. Natürlich sagte sie zu. Die 72-Jährige ist ein grosser ABBA-Fan. «Schon in den Siebzigern gefielen mir Lieder wie ‹Waterlooo› und ‹Dancing Queen›. Und das Musical habe ich dreimal am Broadway gesehen.» Die «Goddess Of Pop» lobt Agnetha und Anni-Frid als «grossartige Sängerinnen». Das weckte in ihr den Wunsch, eine ganze Platte mit ABBA-Songs zu füllen. Das Resultat heisst «Dancing Queen» – ein Album mit zehn Klassikern aus dem Katalog der schwedischen Popband. Die Produktion war eine grosse Herausforderung, gibt die Sängerin zu. «Die Musik von ABBA ist nicht nur zeitlos, sondern auch sehr komplex. Man kann die Songs nicht besser machen, ich kann ihnen nur eine Cher-Note verpassen.»

Bis auf den berühmten Cher-Effekt in der Stimme und den Bum-Bum-Beats, wie sie bei aktuellen Dance-Tracks vorkommen, hat Cher die Songs original belassen. Das ABBA-Outfit von damals möchte die Popdiva allerdings nicht imitieren, sondern sich selbst treu bleiben. «Der Sexappeal von Agnetha und Anni-Frid war ein anderer. Eher lieb und harmlos, angepasst an
die Siebziger. Ich denke, mein Sex ist deutlich gewagter, fordernder
und heisser. Mir macht es heute noch Spass, Vollgas zu geben.»

«Mir war irgendwann nichts mehr peinlich»

Auf ihrer «Here We Go Again»-Tour wählt Cher wie immerknappe Outfits. Wie macht sie das, fragt man sich. Schliesslich scheint die 72-Jährige nicht zu altern. «Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich nehme keine Drogen – das habe ich nie getan», verrät Cher ihr Schönheitsgeheimnis. Allerdings leugnet die Stilikone nicht, da und dort nachgeholfen zu haben. Neue Nase und Lippen, ein unechtes Kinn, ein glatter Hals, grosse Brüste und ein straffer Bauch – die Liste ist lang. Um die dreissig Mal soll sich die Sängerin bereits unters Messer gelegt und dafür mehrere Hunderttausend Dollar hingeblättert haben. Nur das Gerücht, sich einige ihrer Rippen entfernen lassen zu haben, bestreitet sie bis heute vehement.

Nebst den ABBA-Songs singt Cher live auch ihre alten Hits. Ob sie wie im Video zu «If I Could Turn Back Time» auch nur Tanga, Strümpfe und eine Lederjacke trägt? 1989 sorgte die damals 42-Jährige damit für einen Skandal. Sogar MTV war das Outfit zu wenig. Der Musiksender zeigte den Videoclip jeweils erst nach 21 Uhr. In den 80er-Jahren startete Cher auch als Schauspielerin durch. Zuerst am Broadway, dann in Hollywood. Den Oscar als beste Hauptdarstellerin im Film «Moonstruck» nahm die Schauspielerin 1988 in einem transparenten Kleid entgegen. Auf Unterwäsche verzichtete sie und kaschierte die privatesten Stellen dürftig mit einigen Perlen und Pailletten. «Mir war irgendwann nichts mehr peinlich. Je mehr Haut ich zeigen konnte, desto besser», erinnert sich Cher.

Ihrem Sexappeal verfielen die Männer reihenweise: Kiss-Bassist Gene Simmons, Ex-Bon-Jovi-Gitarrist Richie Sambora, Val Kilmer und Tom Cruise – um nur ein paar zu nennen. Chers wichtigster Mann zu Beginn ihrer Karriere war Sonny Bono. Als 18-Jährige landete sie mit ihm als Folk-Duo Sonny & Cher ihren ersten Hit «I Got You Babe». Kaum hatte die Flower-Power-Ära angefangen, war das Duo allerdings out. «Wir waren den Hippies als verheiratetes Paar zu bieder. Ausserdem nahmen wir keine Drogen. Das war damals ein No-Go», erinnert sich die Entertainerin.

DER CHER-EFFEKT
Mit «Believe» landete Cher 1998 den grössten Hit ihrer Karriere. Dieser Song hat die Software Autotune in den Mainstream gebracht. Eigentlich dient sie dazu, schiefe Gesangstöne zu korrigieren. Cher setzte die Software ein, um die Stimme zu verfremden. Schon bald prägte Autotune die Popmusik. Der sogenannte «Cher-Effekt» ist heute weit verbreitet.

Mit «Bang Bang (My Baby Shot Me Down») gelang ihr 1966 auch als Solokünstlerin der Durchbruch. 1971 war «Gypsys, Tramps & Thieves» ihr erster Nummer-1-Hit. Von der Folksängerin entwickelte sich Cher in den 80ern zum Disco-Star. Ihre beiden Alben «Cher» (1987) und «Heart Of Stone (1989) verkauften sich weltweit über 20 Millionen Mal. 1998 landete die Sängerin mit der Single «Believe» ihren bisher grössten Hit – und erhielt einen Grammy dafür. Nicht zuletzt dank des berühmt gewordenen Cher-Effekts (siehe Box). Mit der «Farewell»-Tour 2005 verabschiedete sich Cher vorerst vom Publikum. Später trat sie mit einer eigenen Show in Las Vegas auf und brillierte als Schauspielerin im Musical-Drama «Burlesque». 2013 feierte sie mit dem Album «Closer To The Truth» ihr Comeback in der Popszene.

Film, Musical und Konzert

Im Rahmen der «Here We Go Again»- Tour steht Cher zum ersten Mal seit 15 Jahren auch wieder in der Schweiz auf der Bühne. Die aktuelle Show vereint ihre Talente als Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin. Die 72-Jährige inszeniert im Hallenstadion eine Welt aus Film, Musical und Konzert. Die Fans können sich sicher sein: Die Entertainerin zieht bei ihrer Show alle Register – nicht nur mit knappen Outfits und grossartigen Hits.

Cher
09.10.2019, Hallenstadion Zürich
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