Platz 1 in der Schweiz, Platz 1 in Italien: Zucchero Fornaciari kehrt mit dem neuen Album «Black Cat» zu seinen freien, souligen und rauen Wurzeln zurück – und hat damit durchschlagenden Erfolg. Er ist eben ein «Black Cat».

event.: Hallo Zucchero, du stürmst mit «Black Cat» gerade wieder mal die Charts – wie fühlst du dich?

Zucchero: Ich fühle mich gut! Ich freue mich sehr über dieses Album, denn es ist ein freies Album geworden, viel freier als sonst – und auch ein wildes Album.

Woher kam der plötzliche Freiheitsdrang?

Ich wollte einfach etwas machen, das sich nicht an der gängigen Mode orientiert, nicht an dem, was im Radio läuft. Und damit bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Am Anfang meiner Karriere habe ich überhaupt nicht nach Erfolg im Radio geschielt, sondern einfach Musik gemacht, die mir selbst gefiel. Jetzt habe ich das Gleiche gemacht, wusste aber nicht, ob es ankommt. Ich bin sehr froh, dass das Album in Italien und in der Schweiz so gut aufgenommen wird.

Was hat dich zum südstaatenlastigen Sound von «Black Cat» inspiriert?

Das Album entstand nach einer langen Tournee durch den Süden der USA. Es ist vermutlich das «schwärzeste» Album, das ich je gemacht habe – im musikalischen Sinn! Es klingt mehr nach Blues des Mississippi-Deltas, aber klar mit italienischen Melodien und mit einem sehr «schwarzen» Sound, deshalb habe ich es auch «Black Cat» genannt.

Du hast auf «Black Cat» mit drei Produzenten zusammengearbeitet – wieso nicht nur mit einem?

Ich hatte schon mit zweien von ihnen gearbeitet – mit Don Was und Brendan O’Brian, und zwischen uns war eine tolle Chemie. Aber ich brauchte diesmal einen raueren Sound, deshalb habe ich T-Bone Burnett angefragt, um diese Mischung hinzukriegen, die mir vorschwebte – um den Sound am Ende noch etwas mehr «dirty» zu machen. Und das ist ihm gelungen. Bono von U2 hat für dich einen Text für dein neues Album geschrieben, «Streets of Surrender», da gehts um die Attentate von Paris 2015.

Wie kam es dazu?

Ich kenne Bono seit 1992, wir haben schon andere Songs zusammen gemacht. Wir sind uns sehr nah, sind uns sehr ähnlich, und haben einen grossen Respekt füreinander. Ich habe Bono im September 2015 gebeten, einen Text zu schreiben für einen Song, den ich komponiert hatte. Nach den Terrorattentaten in Paris im November 2015 rief er mich an und sagte: «Hör mal, ich bin in Paris und bin zutiefst schockiert. Ich schreibe dir einen Text zu diesem Ereignis.» Es wurde ein Text mit viel Tiefgang, ein universaler Text. In diesem Song, «Streets of Surrender», heisst es: Ich bin nicht hier, um dich zu bekämpfen. Ich ergebe mich, ich möchte, dass auch du nicht Hass mit Hass bekämpfst.»

Im Song «Partigiano Reggiano» auf «Black Cat» singst du von Freiheit – im Video dazu sieht man eine Frau, die aus der Sklaverei befreit wird. Ist das ein politisches Statement?

Ich meine das eher ironisch. Der Songtitel ist aus einem Witz entstanden, den ich gemacht habe, denn es heisst ja «Parmigiano Reggiano», der berühmte Reibkäse aus meiner Region, und daraus habe ich «Partigiano Reggiano» gemacht. Aber es geht hier um Freiheit. Ich spreche davon, dass es in der Welt kaum mehr Ideale gibt, vor allem, dass die jungen Leute sich nicht mehr zusammentun, um anzukämpfen gegen Zustände, die nicht gut sind für ihre Zukunft.

Freiheit scheint dein Erfolgsrezept zu sein. Was bedeutet für dich persönlich Freiheit?

Das ist ein wunderschönes Wort, ein grosses Wort. Die Freiheit ist etwas Fundamentales, wie die Liebe, das ist eine lebenswichtige Sache! Als ich anfing, dieses Album zu schreiben, habe ich mir immer die Sklavenplantagen im Süden der USA vorgestellt, ich habe mir auch die ganzen Filme angeschaut, «The Color Purple», «12 Years a Slave», und ich habe gedacht: Die Zeit der Sklaverei ist zwar vorbei, aber es gibt neue Sklaven, die vor Kriegen fliehen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die sterben, die keine Zukunft haben. Wir erleben heute einen sehr delikaten Moment. Der Exodus der Menschen ist unglaublich. Es gibt eine grosse Veränderung in Europa, und wir als Europäer erleben das alles in der ersten Person.

Die Liebe ist eines deiner Hauptthemen. Wie passen Liebe und Freiheit zusammen?

Die Liebe und die Freiheit sind zwei vitale, sehr wichtige Dinge für das Leben. Liebe geben und Liebe empfangen ist die schönste Sache der Welt. Das kommt nie aus der Mode. Die Liebe ist auch Freiheit! Wenn du jemanden wirklich liebst, lässt du ihn frei.

In deinem neuen Album steckt wieder die typische Zucchero-Energie, die bringt einen automatisch zum Tanzen. Woher nimmst du die Energie für diese Musik?

Mir gefällt es einfach, die Menschen tanzen zu sehen. Ich mag es sehr, wenn sich die Menschen vergnügen, wenn sie zusammen sind und zusammen Emotionen erleben – und sei es nur für zwei Stunden in einem Konzert. Ehrlich gesagt bin ich vor meinen Konzerten oft in der Garderobe und denke: Oh, ich wäre jetzt auch gerne zu Hause, ausgestreckt auf meinem Sofa. Wenn ich aber die Füsse auf die Bühne setze, dann passiert ein Wunder, da kommt eine ganz starke Energie vom Publikum rüber, und es macht «Bumm» – und die ganze Energie ist da. Ecco, woher ich die Energie nehme: von euch!

Was bedeutet Tanzen für dich?

Tanzen ist eine Befreiung. Auch wenn du nicht tanzen kannst, kein Tänzer bist, kannst du dich bewegen, deine eigene Art der Bewegung erfinden. Tanzen ist immer eine positive Veränderung der Energie.

Gehst du selbst auch tanzen?

Ich gehe nicht aus zum Tanzen, aber es passiert mir oft, an Partys bei Freunden oder auch bei mir zu Hause, dass wir sehr viel tanzen, manchmal auch die ganze Nacht. Am nächsten Tag fühle ich mich nicht müde, sondern reicher und erfrischt.

Glaubst du, dass du mit deiner Musik die Menschen beeinflussen kannst, die dich hören?

Ich glaube nicht, dass ein Song, ein Album grosse Probleme lösen kann. Aber es kann sicher die Meinung der Menschen sensibilisieren. Gerade die jungen Menschen heute brauchen ein Vorbild, das älter ist als sie, das ihnen etwas Kraft und Mut gibt, aber auch Selbstwertgefühl.

ZUCCHERO
31.10.16, Hallenstadion Zürich
01.11.16, Hallenstadion Zürich
02.11.16, Arena de Genève
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